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Ein Wettbewerb als Alibi
Pressemitteilung vom 04.05.2009

Die Aufgabenstellung im Wettbewerb für das geplante Einheits- und Freiheitsdenkmal stellte an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer unerfüllbare Anforderungen: Nicht nur Freiheits- und Demokratiebestrebungen sollten gewürdigt, sondern auch die Historizität des Standorts beachtet werden. Der Abbruch des Wettbewerbs ist die Folge einer politischen Überfrachtung.

Wenn für das Scheitern des Wettbewerbs die „ungenügenden" Entwürfe, also die Künstlerinnen und Künstler verantwortlich gemacht werden, verschleiert diese Argumentation die eigentlichen Gründe des Misserfolgs.

Die Auslobung und Durchführung dieses Wettbewerbs verstießen gegen bewährte Wettbewerbsstandards, die in den letzten Jahrzehnten in der Bundesrepublik Deutschland entwickelt wurden. Eine fachliche Diskussion über dieses Großvorhaben fand nicht statt. Die Juryarbeit hat die Erfahrungen offener Wettbewerbe ignoriert. Jedem der 532 Entwürfe standen nicht mehr als 1 Minute und zwei Sätze Aufmerksamkeit zur Verfügung. Dieses Arbeitsprinzip entbehrt der Redlichkeit. In New York dagegen nahm sich das Preisgericht eine Woche Zeit, die Entwürfe für eine Gedenkstätte am Ground Zero zu diskutieren. Auch die Zusammensetzung des Preisgerichts, wie die Doppelfunktion seines stellvertretenden Vorsitzenden, verstoßen elementar gegen demokratische und transparente Wettbewerbsregeln.

Unsere Anerkennung gilt allen 532 Kreativen, die nicht wissen konnten, dass ihre Arbeit nur das Vorspiel eines anderen nicht weniger bedenklichen Wettbewerbsverfahrens ist.

Anstatt der Einleitung des eingeladenen Verfahrens fordern wir, dass die 532 Entwürfe von einem fachlich ausgewiesenen und neu zu berufendem Gremium in einem angemessenen Zeitrahmen gesichtet, diskutiert und kompetent beurteilt werden.

Herbert Mondry, Vorsitzender des bbk berlin

 



Kommentare erschienen im Tagesspiegel:
von jbraun | 05.05.2009 19:54:21 Uhr
Die Auslober...
...sollten sich bei den Künstlern entschuldigen, zugeben daß das ganze Projekt eine unausgegorene Schnapsidee war und jedem Teilnehmer eine Aufwandsentschädigung von 2000 € auszahlen.

von joachimaugust | 05.05.2009 21:41:29 Uhr
Konstruktive Vorschläge
Der Karren wurde in den Schlamm gefahren.
Dass dieses (Wettbewerbs-)verfahren in dieser Phase krepieren würde, hätte der Auslober schon aus alter Erfahrung (Holocaust-, 17. Juni-, Rosa-Luxemburg Wettbewerb) vorher erahnen müssen und kam aber auf Kosten hunderter Teilnehmer dieser Sorgfaltspflicht im Vorfeld nicht nach. Die einzig faire Lösung des Problems ist, zu gegebener Zeit, nach bestmöglicher Vorbereitung und endgültiger Klärung der Standortfrage usw. einen neuen angemessen dotierten (!), einphasigen (!) anonymen (!) Wettbewerb unter Einbeziehung der Wettbewerbsfachberatern der Verbände wie BBK, Architektenkammer etc. mit einer verantwortungsvollen, überschaubaren (!) und qualifiziert Jury auszuloben.
Lasst uns dafür streiten!



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