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Schnödes Plagiat oder wohlwollende Hommage
Ein Erfahrungsbericht zum Thema Urheberrecht von Matthias Geitel
Frau Adelheid Gräfin von Faber-Castell stattet über ihre Wiesbadener Firma art consult international (GbR) Hotels und andere Unternehmen mit Kunst aus. So auch das neue Luxushotel The Charles Hotel in München, das zur international agierenden Rocco Forte Collection mit Hauptsitz in London gehört und mit der Formulierung "eleganten Komfort, individuelles Design, persönlichen Service" (www.charleshotel.de) für sich wirbt. Im Zuge der Planung für die künstlerische Ausgestaltung des Fünf-Sterne-Hotels in der Bayerischen Landeshauptstadt rief Frau von Faber-Castell im Februar 2007 bei mir an, um mich für eine Mitarbeit zu gewinnen. Dabei ging es zunächst um den Erwerb von Reproduktionsrechten an einer Serie von Aquarellen inklusive der entsprechenden Daten, um damit eine möglichst originalgetreue, aber preiswertere Kunst am Bau Arbeit zu realisieren. Ich sagte zu und schickte meinen Katalog ANONYMUS Pi - Variation der einfachen Linie (Kunsthalle Erfurt, 2006) nach Wiesbaden, in dem viele der in Frage kommenden Motive abgebildet sind. Bei einem persönlichen Treffen in Berlin wurden die Modalitäten der technischen Realisierung besprochen und der Repro-Preis einer 12 Motive umfassenden Wandarbeit für das Hotelrestaurant Davvero festgelegt. In den folgenden Wochen lieferte ich mehrmals Daten für Druckproben nach Wiesbaden, ohne die Ergebnisse zu Gesicht zu bekommen. Statt dessen wurde mir im Juni 2007 von Frau von Faber-Castell mitgeteilt, dass die Druckqualität nicht ausreiche, verbunden mit der Anfrage, für den ursprünglichen Repro-Preis zuzüglich Materialkosten doch 12 Originale à 120x120 cm (Acryl auf Leinwand) anzufertigen. Ich lehnte mit dem Hinweis darauf ab, dass es für diese Summe höchstens zwei Malereien der entsprechenden Größe von mir zu erwerben gäbe. Damit waren die Verhandlungen beendet.
Im November 2007 wurde The Charles Hotel in München eingeweiht, im Dezember recherchierte ich nach einem Hinweis eines Münchner Sammlers im Internet um zu sehen, für welche künstlerische Arbeit sich Sir Rocco Forte und The Charles Hotel letztlich entschieden hatten. Was ich sah, waren meine eigenen Motive: schnell hingemalt von fremder Hand, in gleicher Farbigkeit, einige Zeichen gedreht oder gespiegelt, alle einer Doppelseite meines Katalogs entnommen. Außerdem wurden Abbildungen in der Eventbroschüre 1/2008 und auf der Webseite des Hotels veröffentlicht. Ohne meine ausdrückliche Genehmigung und ohne Zahlung eines Honorars. Telefonische und Anfragen vor Ort nach der Autorenschaft der Wandarbeit konnten oder sollten vom Hotelpersonal nicht beantwortet werden, weil der Name des Künstlers nicht in Erfahrung zu bringen sei bzw. dieser anonym bleiben wolle. Frau von Faber-Castell selbst bezeichnete die Wandgestaltung in der späteren Auseinandersetzung als eine "Hommage à Geitel", allerdings erst nach dem Eingang meines ersten Anwaltsschreibens. Anfang 2008 bat ich den BBK Berlin, insbesondere dessen Vorsitzenden Herbert Mondry und Rechtsanwalt Hartmut Lierow um Hilfe. Von beiden Seiten ergingen dankenswerter Weise fordernde Schreiben an The Charles Hotel in München, die lediglich lapidar telefonisch quittiert wurden. Mein Angebot, eine entsprechende Kunst am Bau Arbeit zu einem angemessenen Honorar zu realisieren, wurde ausgeschlagen; statt dessen ließ die Hotelleitung die 12 Bilder im März 2008 wieder abhängen. Nach mehrmaligen Anschreiben seitens meines Anwalts Lierow gab Frau von Faber-Castell über ihren Anwalt im Mai 2008 eine Unterlassungserklärung ab; die Zahlung der geforderten Schadensersatzsumme erfolgte nicht, so dass die Einreichung einer Klage vor dem Landgericht Frankfurt/Main unausweichlich wurde. Erst dieser Schritt bewog die Gegenseite zum Einlenken. Der im Oktober geschlossene Vergleich beinhaltete unter anderem die Zahlung einer Schadensersatzsumme von 4000,- € und die Herausgabe der bemalten Leinwände. Letztere geschah erst nach erneuter gerichtlicher Intervention im April 2009. Abbildungen: 1. Wandgestaltung - The Charles Hotel in München, November 2007 | |||||
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