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Pressemitteilung vom 31.05.2007
Kitsch am Hauptbahnhof
Der berufsverband bildender künstler berlins e.V. ist nicht dazu da, Kunst zu beschimpfen, ganz im Gegenteil. Aber das Werk “Rolling Horse“ , das Bahnchef Mehdorn jetzt vor den Berliner Hauptbahnhof hat stellen lassen, lässt keine andere Wahl: „Das Kunstgebilde, das Berlin kalt erwischt hat, ist von kaum zu überbietender Provinzialität“, so Herbert Mondry, Vorsitzender des bbk berlins .Es ist in seinen wesentlichen Merkmalen eine Replik der seit Jahren in Heidelberg stehenden Plastik „S-printing horse“, die Mehdorn in seiner Zeit als Chef der Heidelberger Druckmaschinen AG in Auftrag gab.
Das Schaustück steht in Berlins Mitte, zwischen dem Regierungsviertel und dem Museum moderner klassischer- und Gegenwartskunst, dem Hamburger Bahnhof, es steht an exponierter Stelle, an dem Ort, an dem Millionen Berlin-Besucher und ausländische Gäste einen ersten und zumeist bleibenden Eindruck von der Hauptstadt erhalten: Die Plastik wirkt auf jeden kulturell Interessierten wie ein Schlag ins Gesicht.
Weil dieses Werk nicht im Vorgarten einer Privatperson steht, sondern an so zentraler Stelle im öffentlichen Raum mit internationaler Breitenwirkung, stellt sich die Frage, ob das so bleibt und wer die Misshandlung des öffentlichen Raumes verantworten will. Dass die Bahn ein gebrochenes Verhältnis zur Kunst hat, ist offensichtlich. Das zeigte sich bereits im Umgang mit der künstlerischen Substanz der Architektur Meinhard von Gerkans.
Eine fachkundige Auslobung und eine Kunstentscheidung durch eine unabhängige qualifizierte Jury hat es nicht gegeben.
Es ist nicht hinzunehmen, dass ein Kunstauftrag, der letztlich mit öffentlichen Geldern finanziert wird, offenbar ohne transparentes Verfahren vergeben werden kann.
Ebenso wenig darf zugelassen werden, dass die Bundesrepublik Deutschland ihre eigenen Regeln für die künstlerische Gestaltung öffentlicher Gebäude außer Kraft setzt, indem öffentliches Eigentum umfirmiert wird, obwohl der Bund weiterhin verantwortlich bleibt. Eigentümer der Bahn ist die Bundesrepublik Deutschland: so wie hier kann und darf sie sich nicht künstlerisch repräsentiert sehen. Nichts hindert die Vertreter der Bundesrepublik Deutschland, für ein seriöses Wettbewerbsverfahren für die künstlerische Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes zu sorgen. Dazu fordern wir sie mit allem Nachdruck auf.
Der Vorsitzende des berufsverbandes bildender künstler berlins e.V.
Herbert Mondry
Berlin den 31. 05. 2007
Anlage:
Auszug aus der Rhein-Neckar-Zeitung vom 7. April 2000 „Das S-Printing Horse“
bbk berlins
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