Aktuelles   -  Über das Kulturwerk   -  Kontakt
deutsch   -   english   -   français   -   español

Kooperative Kunst (2004)
Der Berufsverband Bildender Künstler Berlins, bbk, und das Bildungswerk des bbk berlins arbeiten an einem Projekt der ästhetischen Bildung „Kooperative Kunst“, das im Bereich Schule bzw. bezirkliche Jugendarbeit angesiedelt ist.

(Text: Dr. Claudia Brauers)

Nicht zuletzt durch die Pisa- und Iglu-Studie weiter motiviert, will das Projekt „Kooperative Kunst“ dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche, insbesondere aus benachteiligten sozialen Gruppen, zur Entdeckung ihrer Selbstständigkeit angeleitet werden, verschiedene Schlüsselkompetenzen ausbilden und weiter entwickeln. Dazu gehören Fähigkeiten im ästhetischen, kreativen und kognitiven Bereich wie etwa das Vermögen zum bildlichen und sprachlichen Lesen und Lernen oder zum Ausdruck von Emotionen. Durch das künstlerische Erleben in der Gruppe sollen soziale Kompetenzen wie Toleranz, Kritik- und Konfliktlösungsfähigkeit geschult werden. Ziel des Umgangs mit diversen ungewohnten Materialien und Techniken sowie den neuen Medien ist darüber hinaus die Förderung der Fähigkeit, Wissen selbsttätig zu erwerben, anzuwenden und zu übertragen.

Diese anspruchsvollen Ziele sollen dadurch erreicht werden, dass an sozialen Brennpunkten der Berliner Bezirke inner- und außerschulisch kreative Jugend- und Stadtteilarbeit durchgeführt und unterstützt wird. Dazu wurde in der ersten Projektphase, die im Jahr 2001 begann, eine Umfrage unter den etwa 2000 Mitgliedern des bbk durchgeführt, um sich über Erfahrungen der Künstlerinnen und Künstler im Bereich der Kinder- und Jugendbildung zu informieren. Anhand der zahlreichen Antworten auf den ausführlichen Fragenkatalog wurde deutlich, wie groß das Potential an qualifizierten Künstlerinnen und Künstlern ist, die bereits im Kinder- und Jugendbildungsbereich professionell tätig waren und sind. Das Spektrum künstlerischer Medien, welche die Künstlerinnen und Künstler einbringen, reicht von verschiedenen Malerei-, Bildhauerei- und Zeichentechniken über Video, Foto, Text und Modellbau bis hin zu Maskentanz, Performances und Raumgestaltung. Anschließend wurde begonnen, den Bedarf seitens der Berliner Schulen zu evaluieren. Dazu wurde das Projekt etwa 900 Berliner Grund- und Oberschulen in einem Schreiben vorgestellt; auch von dieser Seite gibt es zahlreiche interessierte Rückmeldungen.

Kooperationen mit interessierten Berliner Schulen
Thematisch sollen die von Künstlerinnen und Künstler vorgeschlagenen Workshop-Projekte die jeweils besonderen Bedingungen der Schule berücksichtigen. Mit den einzelnen Workshops sollen Kinder und Jugendliche verschiedener Altersgruppen zwischen fünf und siebzehn Jahren angesprochen werden. Die Dauer der Workshops kann je nach Projekt und Bedürfnissen variieren. Sie können je nach den Bedürfnissen und Möglichkeiten der einzelnen Schulen flexibel in den schulischen Rahmen integriert oder außerhalb des Regelunterrichts angesiedelt werden. Einzelprojekte können auch in beschränktem Umfang in den exzellent ausgestatteten Räumen der Bildhauerwerkstatt des Kulturwerks des bbk im Berliner Wedding durchgeführt werden.

Geplant sind Einführungsseminare, die ausgewählten Künstlerinnen und Künstler als Weiterbildung auch neue Perspektiven eröffnen können und wo diese auf ihre Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen vorbereitet werden. Neben dem Einführungsseminar sind weitere das Projekt begleitende Fortbildungen und Supervisionsmöglichkeiten vorgesehen. Qualitätskriterien für „Kooperative Kunst“ sollen durch die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des Projektes in Zusammenarbeit mit verschiedenen Experten und Forschungsinstituten erarbeitet werden. Die einzelnen Maßnahmen werden zudem aus künstlerischer und pädagogischer Sicht ausgewertet. Die Auswahl der für Projekte vorgesehenen Künstlerinnen und Künstler erfolgt über einen unabhängigen Fachbeirat. Maßgebliche Kriterien sind u.a. die künstlerische Qualität, pädagogische Erfahrungen, das Vermögen zur Selbstreflexion und zur Motivation anderer Menschen.

Perspektiven der kulturelle Kinder- und Jugendbildung
Der bbk und sein Bildungswerk verstehen sich als Motor und Schnittstelle im Projekt „Kooperative Kunst“. Als Fernziel des Projektes ist avisiert, dass es sich durch dauerhafte Kooperationen verstetigt und zu einer selbstständig funktionierenden und festen Institution in der Berliner Schul- und Jugendbildungslandschaft entwickelt. Der bbk und das Bildungswerk bringen dazu eine ausbaufähige Infrastruktur für das Projektmanagement ein. Sie schaffen damit eine Basis, um einer umfassenden ästhetischen und kulturellen Kinder- und Jugendbildung in Berlin auch in Zeiten leerer Kassen eine Perspektive zu eröffnen.

 

"Kunsträume"
Von September 2002 bis März 2003 fand ein Kunstvermittlungsprojekt mit Schülerinnen und Schülern der Schwarzkopf-Oberschule Berlin-Wedding in der Bildhauerwerkstatt im Kulturwerk des bbk berlins e.V. statt. Das Projekt fand auf Initiative von Jan Maruhn, dem Leiter der Bildhauerwerkstatt, statt, der die Finanzierung über das Quartiersmanagement Soldiner Straße sicherte.
Im Rahmen dieses Projektes wurden die Jugendlichen in zwei Workshops in künstlerische Prozesse eingeführt: Die Künstlerin Ulla Klein leitete eine Ton- und Gipswerkstatt, der Bildhauer Martin Knerner eine Metallwerkstatt.
Beide Workshopleiter verfügen nicht nur über eine künstlerische Ausbildung, sondern sind zusätzlich in der künstlerischen Bildungsarbeit mit Jugendlichen erfahren und qualifiziert.
Die Dokumentation "Kunsträume" von Ulrike Stutz fokussiert die ästhetischen und sozialen Prozesse, die innerhalb des Projekts stattfanden und zeigt eine Methode für die Auswertung von Kunstvermittlungsprojekten auf.
Das Projekt und die Form der Dokumentation geben ein Beispiel für die geplanten Aktivitäten der AG Kooperative Kunst.