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Pressemitteilung des Atelierbeauftragten zur Atelierbörse

Florian Schöttle
Atelierbeauftragter im Kulturwerk des bbk berlins
zur
„Atelierbörse“ der städtischen Wohnungbaugesellschaften“

Am 4. Juni wollen einige städtische Wohnungsbaugesellschaften eine sogenannte Atelierbörse auf dem KPM – Gelände veranstalten.

„ Einerseits“, so zu dieser Veranstaltung Florian Schöttle, Atelierbeauftragter des Landes Berlin im Kulturwerk des bbk berlins,“ ist es zu begrüßen, wenn der Immobilienbestand des Landes für künstlerische Nutzungen verfügbar gemacht werden soll. Diese Kooperation fordert das Atelierbüro seit langem.
Grundsätzlich gilt: Produktionsflächen für professionelle Bildende Künstlerinnen und Künstler müssen den Anforderungen kleiner Produktionsbetriebe genügen, also
- technisch geeignet,
- für Berufskünstlerinnen und –Künstler bezahlbar (Jahreseinkommen aus künstlerischer Tätigkeit in Berlin im Schnitt rd. 5000 Euro!) und
- zumindest mittelfristig – also für zumindest fünf Jahre – gesichert verfügbar sein.

Deshalb bleibt ein Hauch des Unseriösen, wenn man den Text der Pressemitteilung der Veranstalter genauer liest.

Kaum eines der dem Atelierbüro bekannten Angebote der städtischen Gesellschaften, des Liegenschaftsfonds und der BIM erfüllt die berufsbedingten Anforderungen professioneller Bildender Künstler: Entweder handelt es sich um Angebote kurzfristiger Zwischennutzungen mit kurzfristigen Kündigungsterminen– in diese Kategorie gehören die in der Erklärung aufgeführten Angebotsbeispiele, die zudem noch Investitionsbedarf auslösen, soll eine Produktionsnutzung möglich werden, im Rotaprintblock sind bereits mehrfach Atelierprojekte wegen des Verkaufsvorbehaltes gescheitert - oder um Flächen, die sich für künstlerische Produktion nicht oder kaum eignen. Ohne weiteres geeignete Flächen werden zu Konditionen angeboten, die für Berufskünstler eben nicht mehr bezahlbar sind. Die Annahme, dass beliebiger Leerstand als Atelier nutzbar sein soll, ist naiv ( vgl. Anlage ).
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Insoweit führt das Maklerdeutsch in der Ankündigung („für jeden individuellen Bedarf“, breites Angebot“, „1000 Atelierräume“, „bezugsfertig“ „absolut minimale Kosten“) in die Irre.
Es irritiert, dass die Veranstalter meine Bitte, an der Organisation der Veranstaltung beteiligt zu werden, noch nicht einmal beantwortet und offenbar selbst kein Interesse daran haben, die eigentliche Zielgruppe – nämlich professionelle und qualifizierte Berufskünstler mit seriöser Ausstellungspraxis überhaupt zu erreichen („Der Nachweis künstlerischer Professionalität ist nicht notwendig“).

Wo Ansatzpunkte für seriöse Projektentwicklung sind, wird das Atelierbüro wie schon seit Jahren die Kooperation mit den städtischen Gesellschaften suchen. Dafür bietet die „Börse“ hoffentlich trotz Bedenken ein Forum.


Neue Angebote der landeseigenen Immobilienträger und
Wohnungsbaugesellschaften für Bildende Künstler

Auf Bitten der Staatssekretärin für Kultur haben uns landeseigene Immobilienträger und Wohnungsbaugenossenschaften Listen mit leerstehden Flächen in einigen Berliner Bezirken vorgelgt. Die Angebote werden zur Zeit nach den folgenden Kriterien überprüft:

Bezahlbarkeit
Das Förderangebot muß Berufkünstler und -künstlerinnen erreichen. Das durchschnittliche verfügbare Einkommen liegt für professionelle Bildende Künstlerinnen und Künstler bei 760 € monatlich. So kann eine Ateliermiete in der Regel um die 200.- € betragen; wenn schon die Nettokaltmiete bei 4 € liegt, kostet ein 50m²-raum schon mindestens 325.- € inklusive Hei-zung und Nebenkosten.

Technische Eignung
Künstlerarbeitsräume müssen für die professionelle Berufsausübung geeignet sein: Klar ge-schnittene, gut und gleichmäßig belichtete Flächen mit Raum für die direkte Objektbearbei-tung, Materiallagerflächen, Kommunikationsbereich und Büronutzung sind die wesentlichen Funktionen.
Über 40% der Kunstverkäufe finden aus dem Atelier statt (Studie aus Wien 2003). Bestimm-te Infrastrukturelle Standards sind auch deshalb vorauszusetzen, weil die Lebensrealität der Künstlerinnen und Künstler sich im Dreieck zwischen Kunst, Familie und Nebenjob zum Gelderwerb abspielt, also kurze Wege braucht.

Perspektive
Ateliers für professionelles Arbeiten müssen für einen sicheren Zeitraum von allermindestens 3, in der Regel aber für 5 Jahre sicher und ökonomisch planbar verfügbar sein. Die Atelier-suche lähmt in der Regel für ein halbes bis ein Jahr das Künstlerische Schaffen. Häufige Umzüge -schon die Aussicht darauf- wirken sich negativ auf die künstlerische Qualität aus. Es muß ja in über 90% der Fälle zusätzlich zum Künstlerberuf dem Broterwerb nachgegan-gen werden. Obendrein sind oft Investitionen für die Nutzung notwendig, die sich bezahlt machen müssen.

Professionelles Umfeld
Für viele Künstlerinnen und Künstler ist es eine essentielle Standortqualität, dass die um sie herum arbeitenden Kollegen auch professionelle Künstlerinnen und Künstler sind. Die Kom-missionsvergabe der geförderten Räume ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal der Berliner Atelierförderung, auch um dies sicherzustellen.

Das vorliegende Angebot umfasst derzeit 171 Einzeleinheiten, von denen 13 nach der ersten Durchsicht vom Preis her geeignet erscheinen, einen Flächenzuschnitt vorausgesetzt, der eine effektive Nutzung ermöglicht. Die großen leerstehenden Liegenschaften wie das ehemalige „Rothaprintgelände“ und das „Krankenhaus Moabit“ bedingen baurechtliche Prüfung, weil die angedachte Nutzung den Tatbestand der Umnutzung erfüllt. Größtenteils sind Investitionen nötig, um einen technisch nutzbaren und baurechtlich zulässigen Standard zu erreichen. Über die Nutzungsfristen wurde bisher nur ansatzweise verhandelt. In der Regel haben die Angebote Zwischennutzungscharakter.

Florian Schöttle
Atelierbeauftragter
0177 2892555

Ansprechpartner
Bernhard Kotowski
0177 8086232

 

Atelierbüro im Kulturwerk des bbk berlins GmbH

Köthener Straße 44
10963 Berlin

tel 030 230899-21 Florian Schöttle (Atelierbeauftragter)
tel 030 230899-22 Birgit Nowack (Ateliersofortprogramm)
tel 030 230899-20 Johannes Winzek (mietpreisgebundene Ateliers und Atelierwohnungen)

fax 030 230899-19

atelierbuero@bbk-kulturwerk.de