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Wir fordern Ausstellungshonorare für Künstlerinnen und Künstler!

Ein Brief des bbk berlin, der ver.di berlin und der Gedok berlin an die Vorsitzenden der Berliner Parteien


berufsverband bildender künstler berlin e.V.
Köthener str. 44
10963 Berlin
tel: 030.230.899-0   fax: 030.230.899-19
www.bbk-berlin.de   info@bbk-berlin.de



     Fachgruppe Bildende Kunst
in der ver.di
Landesbezirk Berlin-Brandenburg
Köpenicker Str. 30
10179 Berlin
tel: 030.6956-2331   fax: 030.26366-2331
www.kunst.verdi.de    kunst@verdi.de




GEDOK Berlin
Kulturhaus Schöneberg
Kyffhäuserstraße 23
10781 Berlin
tel: 030.441 39 05   fax: 030.441 39 05
www.gedok-berlin.de   info@gedok-berlin.de

 

An die Parteivorsitzenden der
Landesverbände Berlins
Abgeordnetenhaus von Berlin

 Berlin, den 23. Mai 2011

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Ort der Kunst und vor allem der Künstlerinnen und Künstler selbst hat Berlin weltweiten Glanz. Diese Künstlerinnen und Künstler und ihre Arbeit sind es, die den weltweiten Ruf Berlins als place to be begründen, sie sind es, um derentwillen Menschen und Unternehmen nach Berlin kommen, die von Ideen und Kreativität leben. Soll das so bleiben, muss die Berliner Politik etwas dafür tun. Das bedeutet: Berlin muss Künstlerinnen und Künstlern nicht nur billige Mieten, sondern Präsentations-, Entwicklungs- und Überlebensperspektiven bieten. Sonst werden sie – nicht heute, aber morgen – wieder gehen. Der Geist ist noch flüchtiger als das Kapital.

Der Inhalt, vor allem aber der Stil der Diskussionen um eine künftige Berliner Kunsthalle sind von den Künstlerinnen und Künstlern in Berlin nicht als Signal eines substantiellen politischen Interesses an ihnen und an ihren Arbeits- und Lebensbedingungen wahrgenommen worden.

Diese Arbeits- und Lebensbedingungen nämlich stehen für die meisten bildenden Künstlerinnen und Künstler in keinem Verhältnis zu dem Glanz, zu dem sie der Stadt verhelfen. Einkommen von über 1.000 € im Monat sind eine seltene Ausnahme, die meisten Künstlerinnen und Künstler leben mit prekären wirtschaftlichen Bedingungen, die ihre Leistungsfähigkeit einschränken. Bleiben diese Verhältnisse, wie sie sind, wird Berlin diese Menschen auf die Dauer nicht halten können.

Wir schlagen deshalb vor, Zeichen zu setzen, die zeigen sollen, dass die Berliner Politik diese Situation erkennt und im Rahmen dessen, was die Stadt auch tatsächlich leisten kann, etwas tun will.

Unser Vorschlag: Berlin verpflichtet, seine eigenen Ausstellungseinrichtungen und die Ausstellungsinstitutionen, die es fördert, künftig Ausstellungshonorare zu zahlen. Sie sollen denjenigen Künstlerinnen und Künstlern zufließen, die Kunstwerke, die sich noch in ihrem eigenen Eigentum befinden, dem Land Berlin oder vom Land geförderten Institutionen für Ausstellungen zur Verfügung stellen. Bislang nämlich bleiben - eine der wesentlichen Ursachen der wirtschaftlichen Fragilität des Künstlerberufes – die Leistungen bildender Künstlerinnen und Künstler in großem Umfang einfach unbezahlt. Sie nehmen damit eine Ausnahmestellung ein, denn alle übrigen Urheber von künstlerischen oder schöpferischen Leistungen, Schauspieler,  Tänzer, Musiker, Schriftsteller, Journalisten, werden für die Inanspruchnahme ihrer Leistungen selbstverständlich, wenn auch oft nur schlecht, honoriert. Mit einer leistungsgerechten Honorierung von Künstlerinnen und Künstlern würde das Land Berlin nicht nur die tatsächliche Arbeitssituation hunderter Bildender Künstlerinnen und Künstler in Berlin spürbar verbessern, sondern auch Respekt vor der Leistung, die die in Berlin lebenden und arbeitenden Bildenden Künstlerinnen und Künstler für Berlin erbringen, dokumentieren.

Mit der Zahlung von Ausstellungshonoraren, würde das Land Berlin zugleich auch damit beginnen, eine Ungleichbehandlung zu beenden, die eines Kulturstaates und einer auf Leistung begründeten Gesellschaft einfach unwürdig ist.

Mit einem Aufwand, der in einer Größenordnung von vielleicht einer halben Million Euro im Jahr liegen dürfte, würde Berlin an die bereits geübte Praxis skandinavischer Staaten anschließen, die sich dort zum Teil seit Jahrzehnten bewährt hat. Wenn Berlin für seine internationale Attraktivität für hochqualifizierte Menschen etwas tun kann, ohne dafür unübersehbaren Aufwand betreiben zu müssen, dann an dieser Stelle.

Wir bitten Sie deshalb um Unterstützung für diesen Vorschlag.

 

Des Weiteren: Auf der ganzen Welt ist es üblich, dass Menschen, die sich regelmäßig beruflich mit Kunst, Kunstwerken und Kunstausstellungen auseinandersetzen, Kunstausstellungen entgeltfrei – aus dringenden beruflichen Gründen – besuchen und nutzen können. Das ist auch in den Berliner Museen und in den Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und ihren Ausstellungsinstitutionen nicht anders, soweit Journalistinnen und Journalisten, Kuratorinnen und Kuratoren, Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker betroffen sind. Auch hier gibt es jedoch eine Ausnahme: nämlich die bildenden Künstlerinnen und Künstler selbst. Weltweit, ob in New York oder in St. Petersburg, in Madrid oder in Paris, können sie Ausstellungen mit Werken Bildender Kunst besuchen, ohne dafür Eintritt zahlen zu müssen. Auch viele Museen und Sammlungen in Deutschland verfahren so, schon, um qualifizierte Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für ihre Ausstellungsprojekte zu gewinnen. Nur in Berlin ist das nicht so. Für diese negative Ausnahmestellung Berlins und der in Berlin beheimateten Museen und Sammlungen gibt es keinen vernünftigen sachlichen oder betriebswirtschaftlichen Grund. Wir bitten Sie um Ihre Unterstützung dafür, hier kurzfristig Abhilfe zu schaffen.

Wir stehen Ihnen für weitere Erläuterungen, Diskussionen und Informationen sehr gern und jederzeit zur Verfügung. Wir laden Sie sehr gern ein, Ihre kulturpolitischen Positionen mit uns im Einzelnen zu diskutieren. Vor allem aber würden wir uns sehr freuen, wenn Sie unsere Vorschläge in Ihre kulturpolitischen Agenden für die kommende Wahlperiode aufnehmen können.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 Erika Großmann, 1. Vorsitzende der GEDOK Berlin                                                    

Herbert Mondry, 1. Vorsitzender des bbk berlin e.V.                      

Dieter Ruckhaberle, Vorsitzender Fachgruppe Bildende Kunst in der ver.di, Landesbezirk Berlin-Brandenburg

 


 

  

bbk berlin e.V.

Köthener Straße 44
10963 Berlin

tel 030 230899-0
fax 030 230899-19

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