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Pressemitteilung der Uferhallen-Mieter vom 17.08.2017: Die Stadt verliert.

Über den einfachen Weg, sehr viel Geld zu verdienen.Und warum Berlin für Künstler schwierig wird.

Auf dem Gelände des 2008 idealistisch begonnenen Projekts UferHallen AG betreiben über 50 bekannte Künstler ihre Ateliers. Gefragte Gewerbe und Veranstalter sind hier ansässig: Eine Rahmenwerkstatt, Film- und Tanzstudios, die Kunstproduktion Sculpture Berlin, der stadtbekannte Pianosalon Christophori, das Café Pförtner, das Kindermuseum und viele andere. Dieses Gelände wurde nun in einem knappen und internen Akt an die Immobilienfirma Augustus Capital verkauft.

Vor ca. 10 Jahren veräußerte die Stadt Berlin das ehemalige BVG-Gelände im Wedding für 6 Millionen € an die Aktionäre der eigens dafür gegründeten UferHallen AG. Nachdem zwischenzeitlich Teile des Geländes für 7,5 Millionen € veräußert wurden, wechselt nun die UferHallen AG, diese beinhaltet das Uferhallengelände und drei Wohnhäuser, für etwa 27 Millionen € den Besitzer.


Dies geschieht per Verkauf der Aktienpakete der Hauptaktionäre, die etwa 95 % halten. Hinter dem Käufer Augustus Capital stehen die Samwer-Brüder, berühmt-berüchtigt durch Rocket Internet, deren Startup-Ableger Zalando und zunehmend auch durch den Erwerb
von Gewerbe-Immobilien. Diese Deals vollziehen sich weltweit und verstärkt auch in Berlin, z. B. mit dem Haus der Gesundheit und dem Ullsteinhaus.

Zwei Mitbewerber hätten das Gelände in seiner jetzigen Struktur erhalten: Eine Schweizer Stiftung und die Stadt Berlin.

Die Hauptaktionäre, im Wesentlichen die GVA /Friedrich Orth, Dr. Gottfried Kluge und Dr. Alexander Damerow, wollten aber offenbar lieber den Maximalgewinn erzielen als für eine Sicherung dieses Kulturareals eintreten.

Angestrebt hatten Uferhallen-AG und Künstler das Gegenteil: Eine Publikumsgesellschaft mit einer möglichst breiten Streuung der Aktien. Dank der Initiative von Hans-Martin Schmidt (nicht mehr in der AG) wurden 2011 über 3000 Aktienblätter von Künstlern des
Geländes sowie von befreundeten Kollegen künstlerisch gestaltet. Diese Aktienblätter wurden notariell beurkundet und von dem damaligen Aufsichtsrat Friedrich Orth und den damaligen Vorständen Hans-Martin Schmidt und Heino Jückstock unterschrieben. Und
jetzt? Jetzt gehen diese an sich schon im sechsstelligen Wert liegenden Originale zu 95 % in eine Hand. Die Idee der Kunstaktien als Fundament des Projektes Uferhallen ist ad absurdum geführt.

Die Stadt Berlin sichert bis heute in beispielhafter Weise Atelierräume. Aber mit der aktuellen Größenordnung und Geschwindigkeit des Ausverkaufs von Gewerbeflächen kann sie es nicht aufnehmen.

Die Stadt will handeln, aber kann sie jetzt ein Signal setzen? Kann sie uns, den Mietern der Uferhallen, eine Perspektive ermöglichen?

Um in Berlin langfristig Kulturstandorte und die Bedingungen für Kleingewerbe zu erhalten, sind dringend neue Modelle nötig. Es ist höchste Zeit das Problem zu erkennen und zu handeln.

  

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