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Ein kulturpolitisches Schwergewicht: argumentationsstark, unbeirrbar, visionär

Zum Tod von Dieter Ruckhaberle (1938-2018)

Die Liste seiner Verdienste für die Künstler*innen in Berlin und weit darüber hinaus ist lang.

Nach dem Studium der Malerei in Stuttgart und Berlin gründete Dieter Ruckhaberle Anfang der 60er Jahre die „Freie Galerie“ in Berlin, heute würde man von einem Projektraum sprechen, und zeigte internationale Künstler. In den 1970er Jahren war Ruckhaberle als Kunstamtsleiter in Kreuzberg maßgeblich an der Rettung des Martin-Gropius-Baus beteiligt. Die Zeiten waren politisch radikal und neue Ideen wurden nicht nur zu Papier gebracht sondern durchgesetzt. Er war ein Gründer, Initiator, Ideengeber und Macher.

Zu den Projekten, die Künstler*innen Infrastrukturen boten und bis zum heutigen Tag bieten und an denen er maßgeblich beteiligt war, gehörte auch die Umwandlung der Deutschen Gesellschaft für Bildende Kunst 1970 in die nGbK mit basisdemokratischer Ausrichtung. Die Nutzung des ehemaligen Krankenhaus Bethanien am Mariannenplatz für Kunst und Soziales mit Ateliers und Ausstellungsprogramm war sein nächstes Ziel – das Künstlerhaus Bethanien, in das 1973 als erste Produktionsstätte von Künstler*innen für Künstler*innen – die Druckwerkstatt im Kulturwerk des bbk berlin – einzog. Federführend: Dieter Ruckhaberle.

Er war seit 1969 Mitglied im bbk berlin und ab 1971 bis 1989 mit einer Unterbrechung in den 80ern im Vorstand tätig. Der bbk berlin entwickelte zu Beginn der 70er Jahre ein neues Selbstverständnis als gewerkschaftlich orientierter Künstlerverband. Aus diesem Engagement heraus trat Ruckhaberle aktiv für den Zusammenschluss der Künstlerverbände auf Bundesebene auf dem Stuttgarter Künstlerkongress 1974 ein, unterstützte zusammen mit Dieter Lattmann die Idee einer Künstlersozialversicherung (KSK) und war Gründungsmitglied der IG Medien bei ver.di 1985.

Ab 1977 war Dieter Ruckhaberle als Direktor der Staatlichen Kunsthalle Berlin tätig und konzentrierte sich in seinen Ausstellungsvorhaben besonders auf die Berliner Kunstszene, was ihm nicht nur Unterstützung und positive Kritik einbrachte. Im selben Jahr stellte er gemeinsam mit Stefanie Endlich, der ersten Kunst-am-Bau-Beauftragten des bbk berlin e.V. mit der Gründung des Kunst-am-Bau-Büros (heute: Büro für Kunst im öffentlichen Raum im Kulturwerk des bbk berlin) das Berliner Wettbewerbswesen auf solide demokratische Grundlagen, die es noch heute ermöglichen, transparente Verfahren zu initiieren und zu begleiten. Der bbk berlin entwickelte zusammen mit der Hochschule der Künste (heute UdK) unter seiner Projektleitung den "Modellversuch Künstlerweiterbildung“ aus dem sich das heutige Bildungswerk des bbk berlin und das Institut für Kunst im Kontext der UdK entwickelt haben. Diese Ideen brauchten ein Dach und so realisierte Ruckhaberle mit einer Mietgarantie der damaligen HdK den Kauf des Hauses in der Köthener Str. 44 in Kreuzberg.

1982 initiierte er den Berliner Kulturrat, ein Zusammenschluss freier Kulturprojekte mit Kulturverbänden und setzte die erste „freien Gruppenförderung“ in Berlin durch. Er (er-)kannte die prekären Arbeits- und Lebensverhältnisse der Künstler*innen und machte sich zur Aufgabe, diese zu verändern. Dazu gehörten Eigeninitiative und Selbstverwaltung durch die Künstler*innen. Kaum war ein Projekt durchgesetzt, wurde das nächste politisch angeschoben. Und so konnte die Bildhauerwerkstatt im Kulturwerk des bbk berlin 1986 ihre Arbeit aufnehmen. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand 1989 blieb er der Arbeit des Verbandes engagiert, kritisch und fordernd verbunden.

1993 musste Dieter Ruckhaberle nach einer in der Berliner Kunstszene umstrittenen Entscheidung des damaligen Kultursenators Ulrich Roloff-Momin seine Arbeit als Kunsthallendirektor beenden. Er leitete danach den Künstlerhof Buch, später den Künstlerhof Frohnau. Es gab immer ein Ziel, für das er lebte und arbeitete.

Auf seinem Lebensweg hatte er viele aktive Begleiter*innen, die mit zum Erfolg dieser großartigen Projekte beigetragen haben. Die Künstler*innen Berlins nutzen heute Infrastrukturen, die Dieter Ruckhaberle mit Geschick, Durchsetzungskraft und Umsicht für die Kunst, die künstlerische Produktion und für Berlin gemeinsam mit Künstler*innen innerhalb und außerhalb des berufsverbandes bildender künstler*innen berlin angeschoben und eingerichtet hat.

Dafür sind wir ihm dankbar und bleiben ihm in unserer Arbeit verpflichtet.


Der Vorstand des bbk berlin,
Mai 2018

  

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