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Das Ausstellungshonorar

Eine Information und ein Handlungsvorschlag

Ausstellungshonorar ist kein Almosen.
Keine Sozialabgabe.
Keine Maßnahme der Künstlerförderung.
Keine Steuer.
Das Ausstellungshonorar ist die Bezahlung für eine Leistung

Anspruch

Ausstellungshonorar ist ein unverzichtbarer Anspruch, den jeder Künstler hat, der seine Werke ausstellt, also zur Nutzung freigibt. Wer Leistung erbringt, soll für die Nutzung seiner Leistung honoriert werden.
Das Prinzip gilt als bürgerliches Freiheitsrecht. Es gilt überall, wo gewirtschaftet wird.
Dieses Recht gilt auch in der Kultur, in allen Künsten, in der Forschung, Wissenschaft und Lehre.
Es gilt nicht in der Bildenden Kunst.

Hier wird ausgestellt, was das Zeug hält. Und jeder weiß - für die Nutzung der ihrer Werke in Ausstellungen erhalten die Künstler in 95% aller Fälle - nichts.

Das ist so, das hat sich eingebürgert. Kunst ist kostenlos: Ausstellungen bringen Künstlern keine Einnahmen, nur Ausgaben. Das ist u.a. so, weil es eine Gesetzeslücke gibt. Das Urheberrecht sieht eine gesetzliche Verpflichtung zur Zahlung von Honoraren für die Nutzung von Bildender Kunst nicht vor, obwohl dies vom Urheberrecht für Nutzungen von Werken aller anderen Kunstsparten gesetzlich vorgeschrieben ist.

Bildende Künstlerinnen und Künstler können nicht nur vom Verkauf leben

Man argumentierte - zuletzt vor einem halben Jahrhundert, als das Urhebergesetz geändert wurde - damit, dass bildende Künstler doch vom Verkauf ihrer Kunst leben würden. War das schon damals für die große Mehrheit zweifelhaft, so ist das heute erst recht immer seltener der Fall. Inzwischen hat sich eine weit verbreitete „Ausstellungswirtschaft" und sogar Eventitis gebildet, die von den Museen bis weit in die Wirtschaft und alle denkbaren privaten und kommerziellen Veranstaltungen reicht.
Heute werden Kunstwerke bis zu x mal ausgestellt, bis es einmal zu einem Verkauf kommt, falls überhaupt.

In der Zwischenzeit haben Künstler durch den Zwang zur kostenlosen Ausstellerei viel Zeit und Geld und Nerven verloren, die durch eventuelle Verkäufe meist nicht mehr aufgewogen werden können. Einmal ganz abgesehen davon, dass es heute sehr viel Kunst gibt, die sich auf Grund ihrer Konsistenz, ihrem kommunikativen und oft temporären Gehalt ohnehin nicht zum Verkauf eignet. Schon deshalb muß es ein Ausstellungshonorar geben.

Es besteht also dringender Regelungsbedarf, damit die künstlerische Tätigkeit wirtschaftlich überhaupt noch möglich bleibt. Der Bedarf ist auch ganz praktisch abzulesen an den Einkommen, die Künstlerinnen und Künstler durchschnittlich erzielen. Diese erreichen kaum mehr als Hartz IV- oder Grundrentenniveau, das jedem Bürger ohnehin zusteht..

Schluss mit der Selbstausbeutung!

Keinem künstlerischen „Leistungsträger", ob in der Musik, der Schauspielerei, der Literatur oder im Fernsehen kann man damit kommen, dass durch ihren öffentlichen Auftritt ihr Bekanntheitsgrad ansteigt und deshalb auf eine Honorierung verzichtet werden kann. In der Bildenden Kunst aber erzählt man Künstlern mit großer Ernsthaftigkeit, dass sie für die öffentliche Präsenz ihrer Werke in Ausstellungen dankbar zu sein haben und sie nur so bekannt werden, weshalb sich eine Bezahlung erübrige. Was überall in der Kunst und Kultur zum Lachen Anlass gibt, gilt in der Bildenden Kunst jedem Aussteller noch als Argument.

Tatsächlich verdienen alle, die für Ausstellungen arbeiten, vom Direktor bis zur Putzfrau ihr mehr oder weniger gutes Geld. Der Künstler, dessen Leistung im Zentrum der Nutzung steht und dessen Leistung überhaupt erst allen materiellen und geistigen Mehrwert hervorruft, erhält dafür nach wie vor keine Vergütung.

Künstlerinnen und Künstler haben mehr als ein halbes Jahrhundert auf dieses selbstverständliche Recht gewartet. Um nun nicht weitere Zeit zu vergeuden und auf auf eine vielleicht einmal irgendwann kommende bundesgesetzliche Verbesserung des Ausstellungsrecht im Urheberecht zu warten fordern wir die Umsetzung dieses Rechtes jetzt in allen staatlich geförderten Ausstellungshäusern und Galerien. Daran arbeitet der bbk berlin.

Wahren Sie Ihre Interessen selbst

Sie können selbst einen Anfang machen und für Ihre nächste Ausstellung eine Vergütung aushandeln. Sie haben darauf keinen einklagbaren Anspruch, aber selbstverständlich kann eine solche Vereinbarung jederzeit abgeschlossen werden.
Der Jurist und Urheberrechtsexperte Prof. Winfried Bullinger hat für den bbk berlin einen Mustervertrag für Künstler und Aussteller entworfen. Er erleichtert verbindliche Vereinbarungen.

Honorartabelle für Ausstellungen

Der bbk berlin hat als Verhandlungsgrundlage eine Honorartabelle für Ausstellungen entwickelt, die einen möglichen Honoraranspruch am Wert der von der Künstler/innen ausgestellten Werken orientiert.

  • z.B. bei Kunstvereinen, die oft nur über geringe Etats verfügen und oft sogar auf ehrenamtliches Engagement angewiesen sind, sollte man von den Honorarsätzen nach unten abweichen.
  • Bei privaten Ausstellern wie Firmen, Versicherungen Banken etc. kann man mehr verlangen.
bei einem Versicherungswert bis zu
in Euro 
bei
Prozent
Ausstellungsvergütung
in Euro   
5.000,00 5% 250,00
40.000,00 4% 1.600,00
60.000,00 3% 1.800,00
100.000,00 2% 2.000,00

250.000,00

1%
2.500,00

Das Ausstellungshonorar wird gezahlt für die Nutzung des Ausstellungsrechts. Zeitliche oder sachliche Leistungen der Künstlerinnen und Künstler für den Aussteller ( wie z.B. Transport, Hängung, Konzeption, Übernachtungskosten etc.) müssen vom Aussteller unabhängig vom Ausstellungshonorar extra honoriert werden.

Auf ein Ausstellungshonorar kann man verzichten, wenn der Aussteller dafür im Gegenzug Kunst ankauft.

Für Ausstellungen in kommerziellen Galerien können natürlich keine Ausstellungshonorare genommen werden.

Der Vertrag kann hier abgerufen werden:

 

Achtung:
für Ausstellungen in professionellen Galerien, deren Zweck der Verkauf ist, sollte es keinen zusätzlichen Vergütungsanspruch geben, denn die Galerie erbringt über Werbung, Vermarktung, Kontaktherstellung und Verkauf bereits unmittelbare Gegenleistungen.

  

bbk berlin e.V.

Köthener Straße 44
10963 Berlin

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