FAQ für Künstler*innen 

Soziales / ALG II

Selbstständige Künstler*innen, deren Einkünfte zur Sicherung des Existenzminimums nicht ausreichen, können Unterstützungsleistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts sowie der Unterkunft beantragen. In Deutschland wird diese Sozialleistung (nach dem SGB II) als Arbeitslosengeld II (Alg II) bezeichnet, umgangssprachlich auch „Hartz IV“ genannt.

Die Leistungen setzen sich aus Regelbedarfen, Mehrbedarfen und Bedarfen für Unterkunft und Heizung zusammen. Der Anspruch lässt sich z.B. hier berechnen: https://www.hartz4.org/hartz-4-rechner/

Wer als Künstler*in Arbeitslosengeld II beziehen will, muss bei dem zuständigen Jobcenter einen Antrag stellen. Antragsvordrucke und Merkblätter werden auf der Website der Arbeitsagentur zum Download bereitgestellt: https://www.arbeitsagentur.de

Ja, aber wenn aus einer Erwerbstätigkeit Einkommen erzielt wird, so wird dieses grundsätzlich auf die ALG-II-Leistungen angerechnet. Es gibt aber Freibeträge.

Für die Höhe des Freibetrags ist das Bruttoeinkommen(Einkommen vor Steuern und Abgaben) entscheidend.

  • Die ersten 100 Euro aus Erwerbseinkommen werden nicht angerechnet (Grundabsetzungsbetrag).
  • Zusätzlich bleiben 20 % des über 100 Euro bis einschließlich 1.000 Euro liegenden Teils des Bruttoeinkommens anrechnungsfrei.
  • Zusätzlich zu den beiden anderen Beträgen werden 10 % von Ihrem Bruttolohn über 1.000 Euro bis zur Verdienstobergrenze nicht angerechnet. Bei Leistungsberechtigten ohne Kind liegt die Verdienstobergrenze bei einem Bruttoeinkommen von 1.200 Euro, bei Leistungsberechtigten, die mit mindestens einem minderjährigen Kind in Bedarfsgemeinschaft leben, bei 1.500 Euro.

https://www.arbeitsagentur.de/datei/merkblatt-algii_ba015397.pdf

Ja, aber nicht auf Dauer.

Grundvoraussetzung für die Mitgliedschaft bei der KSK ist ein u.a. Mindest-Jahreseinkommen von mehr als 3.900 Euro netto, also nach Abzug aller Kosten, aus der selbständigen künstlerischen Tätigkeit. Bei dem Bezug von ALG II wird dieses Mindesteinkommen regelmäßig nicht mehr erreicht.

Die KSK erfährt automatisch über die jeweilige Krankenversicherung, wenn ein Künstler ALG II bewilligt bekommt.

Künstler*innen dürfen das Mindesteinkommen aber innerhalb von sechs Jahren zwei Mal unterschreiten (bei Berufsanfängern kommen zusätzlich weitere drei Jahre hinzu), ohne dass die KSK die Mitgliedschaft beenden darf.

Es kann sein, dass die KSK bereits vorher einen Nachweis fordert, dass der Künstlerberuf noch professionell ausübt wird. Entsprechende Nachweise (Teilnahme an Verkaufsausstellungen, Messen, Kontakte zu Galerien, Museen, etc.) sollten also gesammelt werden, um sie ggf. vorlegen zu können.

Wenn das Mindesteinkommen in mehr als den o.g. Jahren unterschritten wird, wird die KSK in der Regel sehr schnell und rigoros feststellen, dass die Voraussetzungen für die Mitgliedschaft nicht mehr bestehen und diese beenden.

Spätestens wenn ein Ausschluss aus der KSK droht, wird die Inanspruchnahme einer Rechtsberatung dringend empfohlen. Ggf. sind die Erfolgsaussichten eines Widerspruchs und einer anschließenden Klage vor dem Sozialgericht zu prüfen.

Verschiedenes

Ja. Die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbständige muss innerhalb von drei Monaten nach Aufnahme der selbständigen Tätigkeit bei der Arbeitsagentur beantragt werden.

Um sich freiwillig in der Arbeitslosenversicherung weiterversichern („Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag“) zu können, müssen Sie u.a. eine der folgenden beiden Voraussetzungen erfüllen:

  • Selbständige müssen vor Aufnahme ihrer Tätigkeit innerhalb der letzten 24 Monate mindestens 12 Monate in einem Versicherungspflichtverhältnis gestanden haben (z.B. als Arbeitnehmer, versicherungspflichtiger Krankengeldbezug, versicherungspflichtige Erziehungszeiten). Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein durchgehendes Versicherungspflichtverhältnis handelt, oder ob einzelne Versicherungszeiten zusammengerechnet werden. Auch Zeiten der freiwilligen Weiterversicherung können berücksichtigt werden. Das ermöglicht z.B. auch Auslandsbeschäftigten, die sich nach ihrer Rückkehr ins Inland selbständig machen, die freiwillige Weiterversicherung in der Arbeitslosenversicherung.
  • Der Antragsteller muss unmittelbar vor Aufnahme der selbständigen Tätigkeit eine Entgeltersatzleistung des Sozialgesetzbuchs III (z.B. Arbeitslosengeld) bezogen haben. Die Dauer des Bezugs spielt dabei keine Rolle.

http://www.existenzgruender.de/DE/Weg-in-die-Selbstaendigkeit/Gruendungswissen/Versicherungen-Vorsorge/Arbeitslosenversicherung/inhalt.html