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City Tax Mittel 2014

Brief der Koalition der Freien Szene an den Kulturstaatssekretär Tim Renner und an die Mitglieder des Kulturausschusses im Abgeordnetenhaus zu Berlin

Berlin, 15.06.2015

Sehr geehrte Damen und Herren des Kulturausschusses,
Lieber Tim Renner,

selbstverständlich begrüßt die Koalition der Freien Szene die durch die kurzfristige Stipendienaufstockung aus Citytaxmitteln 2014 erreichte Verbesserung der Arbeitsbedingungen für einen Teil der in Berlin lebenden freischaffenden KünstlerInnen und dankt für die Abstimmung mit uns. Allerdings fehlt - insbesondere in der Bildenden Kunst - jede spartenspezifische Abstimmung über Vergabemodalitäten und Juryzusammensetzungen.

Zugleich halten wir fest:

  • Mit unseren Konzepten für einen Fonds für Forschung und Recherche und dem Konzept der Zeitstipendien für Bildende Künstlerinnen und Künstler haben wir einen Vorschlag gemacht, mit dem neue Wege beschritten würden. Mit der aktuellen Planung wird dieses Konzept leider nicht aufgegriffen. Die Zeitstipendien würden eine neue Qualität in der Künstlerförderung erreichen, es droht, dass diese Chance vertan wird!

  • Der von uns vorgeschlagene Stipendienverteilungsschlüssel bezog sich ausschließlich auf die Verteilung der Citytaxmittel 2014. Ausdrücklich wiesen wir darauf hin, dass es uns hier lediglich um einen improvisierten Beitrag zu einer möglichst sachorientierten und sinnvollen Verwendung der kurzfristig zur Verfügung stehenden Mittel ging. Diese Stipendienaufstockung ersetzt aber keinesfalls die von der Koalition der Freien Szene geforderte substanzielle Veränderung der Förderstrukturen und Vergabeverfahren. Viele der im 10 Punkte-Papier von der Koalition der Freien Szene geforderten Verbesserungen und Veränderungen sind nicht bzw. nur teilweise umgesetzt worden. Hier sehen wir die dringende Notwendigkeit zu weiteren Gesprächen.

  • Mehrere öffentliche Äußerungen von Politikern der letzten Tage suggerieren, dass die erfolgte Stipendienaufstockung im Einvernehmen mit der Koalition der Freien Szene konzipiert wurde, mithin in der vorliegenden Form eine Forderung der Koalition der Freien Szene erfüllen würde. Dies ist so unrichtig. Insbesondere hat die KFS niemals die Einführung von Kuratorenstipendien in der jetzt geplanten Form gefordert und hält diese als Teil eines für KünstlerInnen vorgesehenen Stipendienfonds aus systematischen Gründen für falsch. Dass nach den letzten Planungen aus der Verwaltung Kuratorenstipendien zu Lasten der Stipendien für Bildende Künstlerinnen und Künstler vergeben werden sollen - und dann auch noch durch dieselbe, größtenteils aus Kuratoren bestehende Jury - macht aus Künstlerförderung eine verkappte Ausstellungseventförderung - dafür kann sich die Kulturverwaltung wirklich nicht auf uns berufen!

Auch hier wird es Zeit für neue Wege: mit dem Modell Zeitstipendien haben wir eine vom Sachverstand der Künstler/innen selbst getragene neue Künstlerförderungsstruktur für die Bildende Kunst vorgeschlagen, mit der spätestens 2016 nun auch begonnen werden muss.

Die Koalition der Freien Szene begrüßt durchaus Stipendienmöglichkeiten für KuratorInnen – insbesondere für Literatur und Projekträume sind diese sehr nützlich. Wir schlagen aber vor, dass die Mittel des „Schlafenden Riesen“ (Red.anm.: "voraussichtliche nicht ausgeschöpfte Mittel") für diese Stipendien, also für KunstproduzentInnen und KuratorInnen unter dem Dach eines neuen spartenübergreifenden Fonds für Forschungs- und Recherchestipendien zusammengeführt werden. Dieser könnte in den Sparten, wo noch nicht durch Ausschreibungen Fakten geschaffen wurden, bereits aus den Citytaxmitteln 2014 versuchsweise umgesetzt werden. Gerne machen wir dafür auch sehr kurzfristig einen konkreten Vorschlag.

Für die Verwendung der Citytaxmittel 2015 bitten wir um eine frühzeitige und umfassende Konsultation der Koalition der Freien Szene, um über die Maßnahmen für eine deutliche und strukturelle Verbesserung für die Freie Kunstszene Berlins umfassend zu beraten.

 

Mit herzlichem Gruß
Für den Sprecherkreis der Koalition der Freien Szene
Christophe Knoch 

Sprecherkreis Koalition der Freien Szene: Christophe Knoch, Mica Moca Project Berlin e.V.
Für Bildende Kunst: Herbert Mondry und Bernhard Kotowski, Berufsverband Bildender Künstler Berlin
Für Kulturproduktion: Wibke Behrens, neue Gesellschaft für bildende Kunst - nGbK
Für Musik: Klaus Schöpp, Christian Kesten, Initiative Neue Musik; Bettina Bohle, Uli Kempendorff, DACH/MUSIK, IG Jazz Berlin
Für Literatur: Moritz Malsch, Lettrétage
Für Darstellende Kunst:
Für Tanz: Simone Willeit, Anne Passow, Tanzbüro Berlin
Für Theater: Elisa Müller, Nicole Otte,  Landesverband Freie Darstellende Künste (LAFT Berlin)
Transdiziplinäre Kunst: Sandra Manhartseder

  

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