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Der bbk berlin informiert: „Arbeitsraumprogramm 2.0 – Kulturraumbüro“

Brief an die Mitglieder des Abgeordnetenhauses von Berlin am 22.11.2018

Sehr geehrte Frau Abgeordnete, sehr geehrter Herr Abgeordneter,

ein Konzeptpapier der Senatsverwaltung für Kultur und Europa mit dem Titel "Arbeitsraumprogramm 2.0 - Kulturraumbüro" berichtet über Gespräche mit der Kulturwerk des bbk berlin GmbH und seinem Atelierbüro.

In den genannten Gesprächen ging es ausschließlich um eine Verbesserung der aktuellen und künftigen Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung und dem ab 2020 geplanten "Kulturraumbüro" in der Atelierförderung für Bildende Künstler*innen. Über die detaillierte inhaltliche Ausrichtung und Verortung des "Kulturraumbüro" selbst ist mit uns nicht gesprochen worden; für das vorliegende Konzept können wir deshalb weder ganz, noch in Teilen in Anspruch genommen werden. Da das Papier dazu eine missverständliche Aussage trifft, ist uns diese Klarstellung wichtig.

Ganz richtig wird dagegen ein substantieller Dissens zwischen der Kulturwerk des bbk berlin GmbH/Atelierbüro und der Senatsverwaltung für Kultur und Europa beschrieben, den wir gern unserseits erläutern wollen:

Das Atelieranmietprogramm für die Anmietung sofort geeigneter und nutzbarer vergleichsweise kleinteiliger Gewerbeflächen im Bestand ist 25 Jahre lang operativ vom Atelierbüro im Kulturwerk und der Gesellschaft für Stadtentwicklung, natürlich in Abstimmung mit der Kulturverwaltung, realisiert worden. Für dieses Programm gibt es im Büro und bei der GSE jahrzehntelange Erfahrungen, Kompetenzen und Netzwerke in die Immobilienwirtschaft wurden kontinuierlich aufgebaut. Es gibt bewährte Verfahren der Akquise, der Projektentwicklung, der Vertragsverhandlungen, der Kooperation und der Kommunikation. In diesem Arbeitsbereich ist die Etablierung eines "Kulturraumbüros" nicht nur nicht erforderlich, sondern direkt sachwidrig.

Das gilt auch für die aktuelle Praxis: waren bis 2016 für die Realisierung solcher Anmietungsvorhaben zwei Bearbeiter*innen völlig ausreichend, haben sich durch die sachlich und fachlich gar nicht notwendige und nicht abgestimmte Einschaltung von Mitarbeiter*innen der Kulturverwaltung Bearbeitungszeiträume verdoppelt bis verdreifacht.

Und: Ein Atelierbeauftragter, der aus der operativen Arbeit und aus jeder Mitsprache über die Mittelverwendung im Rahmen von Atelierförderungsmaßnahmen ausgeschlossen wird, verliert sein Verhandlungsmandat Dritten gegenüber. "Akquise" von Objekten und Projekten, die die Atelierbeauftragten und ihr Büro unbestritten seit 1991 erfolgreich betrieben haben, sind ihnen schon jetzt sehr erschwert. Mit der Etablierung des "Kulturraumbüros" dürften sie ihnen unmöglich werden. Der aktuelle Vorschlag aus der Verwaltung stellt die Wirksamkeit der Arbeit des Atelierbüros an sich in Frage.

Die Gesellschaft für Stadtentwicklung ist ein zuverlässiger Partner für alle Vorhaben, in denen die Anmietung sofort für künstlerische Nutzungen geeigneter Flächen und ihre Untervermietung an Künstler*innen erforderlich bzw. zweckmäßig ist. Im Einzelfall kann selbstverständlich die Einschaltung einer anderen Servicegesellschaft sinnvoll sein. Das Papier der Kulturverwaltung sieht allerdings vor, auf die GSE als Partner ganz zu verzichten - was im Bestand ihrer Generalmietverträge im Übrigen gar nicht möglich ist - und sie durch das "Kulturraumbüro" zu ersetzen.

Gründe dafür sind dem Papier - hier ähnlich wie für den geplanten Ausschluss des Atelierbüros aus seinem eigenen Programm - nicht zu entnehmen.

Darüber hinaus ist dem Papier zu entnehmen, die Verwaltung wolle die "Rahmenbedingungen" der Atelierförderung verändern. Auch hier zur vorsorglichen Klarstellung: Gemeinsam mit Senat und Abgeordnetenhaus ist die Berliner Atelierförderung als ein am tatsächlichen Bedarf orientiertes Instrument der Infrastrukturförderung aufgebaut worden. Ihre Zielgruppe sind deshalb immer die professionellen Bildenden Künstler*innen Berlins gewesen, die sich ein Atelier aus dem "freien Markt" nicht leisten können.

Wie das Atelierbüro in seinem Masterplan vom August 2016 dargelegt hat, ist ein am Bedarf orientierter Ausbau der Atelierförderung finanziell und organisatorisch sehr wohl möglich. Ein Umbau der Atelierförderung in Berlin zu einem Programm der befristeten Künstlereinzelförderung auf der schwammigen Grundlage "besonderer" individueller Förderungswürdigkeit wäre ein Missbrauch des Begriffs der Atelierförderung. So ließe sich der tatsächliche Bedarf künstlich kleinrechnen - ein solches rein politisches Manöver würde die Kulturwerk des bbk berlin GmbH und ihr Atelierbüro unter keinen Umständen mittragen können.

Einvernehmen besteht in der Feststellung, dass das "Arbeitsraumprogramm" und als sein Bestandteil das Atelieranmietprogramm seit zwei Jahren weit hinter den gesetzten Zielvorstellungen zurückbleiben. Dem liegen konzeptionelle Defizite zugrunde: insbesondere eine nicht an den tatsächlichen Bedarfen der einzelnen künstlerischen Sparten und auch spartenübergreifender künstlerischer Arbeit orientierte Akquise und Projektentwicklung. Bereits vertraglich gesicherte Vorhaben können zugleich nur mit großen Zeitverzögerungen und unter Inkaufnahme erheblicher, aus dem "Arbeitsraumprogramm" finanzierter Leerstände realisiert werden.

Über diese Defizite sollte mit allen Verfahrensbeteiligten und mit dem Ziel gesprochen werden, einvernehmliche Lösungen für konkrete Probleme in der Programmrealisierung zu finden. Zeitfressende und unfruchtbare Diskussionen über realitätsfremde Organisations- und Kompetenzfragen sollten in den Hintergrund treten.

Herzlicher Dank für Ihre Aufmerksamkeit und freundliche Grüße
Dr. Martin Schwegmann, (Atelierbeauftragter)
Bernhard Kotowski, (Geschäftsführer)

  

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