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Ein fataler Schaden für die Berliner Wettbewerbskultur

Entscheidung im „Ideenwettbewerb Inszenierung Brandenburger Tor“ fiel ohne Fachverstand.

Nun lüftet sich das Geheimnis um den dubiosen „Ideenwettbewerb Inszenierung Brandenburger Tor“ zum Tag der Deutschen Einheit 2018 allmählich. Zur Genese:

Am 13. März 2018 veröffentlichte die Kulturprojekte Berlin GmbH einen „Ideenwettbewerb Inszenierung Brandenburger Tor“ mit einer Realisierungssumme von stattlichen 800.000,- Euro sowie zusätzlichen Preisgeldern von insgesamt 50.000,- Euro jedoch mit unzumutbar knapper Abgabefrist zum 9. April 2018. Da allein tut sich der Verdacht auf, dass ein solcher übers Knie gebrochener Wettbewerb einen Direktauftrag kaschieren sollte. Die Anzeichen eines unseriösen Verfahrens wurden gestützt, der Verdacht der Intransparenz erhärtete sich, als nach Ablauf der Jurierung den am Wettbewerb teilnehmenden Künstler*innen jede Information über Ergebnis und Entscheidungsfindung verweigert wurde. Allein die Zusammensetzung des Preisgerichts, die erst nach vielen Nachfragen am 30. Oktober bekannt wurde, widerspricht der in Berlin im Laufe der letzten Jahrzehnte mühsam erkämpften und erarbeiteten Wettbewerbskultur:  

Drei Preisrichter*innen kamen von der Kulturprojekte GmbH selbst, ein Preisrichter von der Senatskanzlei sowie ein externer Rechtsanwalt als fünfter Preisrichter ohne jeglichen fachlichen und sachlichen Bezug. Das aber ist eindeutig ein Preisgericht ohne unabhängigen künstlerischen Fachverstand, der in Kunstwettbewerben von Künstler*innen selbst wahrgenommen wird. Wozu hat die Senatsverwaltung die Richtlinie für Planungswettbewerbe 2013 (RPW2013) eingeführt, wenn diese von den Einrichtungen des Landes Berlin selbst ignoriert wird? Wozu erarbeitet die Senatsverwaltung für Kultur und Europa einen Leitfaden für Kunst im öffentlichen Raum, wenn dieser keine Anwendung findet?

Im Verfahren des „Ideenwettbewerbs Inszenierung Brandenburger Tor“ wurden öffentliche Mittel für die Realisierung einer künstlerischen Intervention vergeben. Aber ausgerechnet eine Kultureinrichtung des Landes, deren Aufsichtsratsvorsitzender der Berliner Kultursenator ist, missachtet die Regeln der öffentlichen Wettbewerbskultur.

Das Vertrauen der Künstler*innen in die Neutralität und Zuverlässigkeit der Berliner Landeseinrichtungen wurde mit dem „Ideenwettbewerb Inszenierung Brandenburger Tor“ grundlegend erschüttert.

Deshalb fordert das Büro für Kunst im öffentlichen Raum im Kulturwerk des bbk berlin eine verbindliche Einhaltung der Wettbewerbskultur bei allen Vorhaben der Kunst im öffentlichen Raum des Landes Berlin und seiner nachgeordneten Einrichtungen und Gesellschaften. Darauf müssen alle verantwortlichen Kulturpolitiker*innen achten und die zuständigen Behörden zur Umsetzung transparenter Wettbewerbsverfahren verpflichten; für die Künstler*innen der Stadt ist das unverhandelbar!

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Büro für Kunst im öffentlichen Raum
Martin Schönfeld
Rückfragen bitte unter: Tel: 030-230 899-30 oder kioer@bbk-kulturwerk.de

  

bbk berlin e.V.

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