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Bilanzpolitik oder Nebelwerfer

Pressemitteilung des bbk berlin vom 22.05.2019

Zur PM der Senatsverwaltung Kultur und Europa vom 21.5.2019: Planung, Finanzierung, Anmietung und Herrichtung von Räumen als Ateliers, Präsentations- und Produktionsräume – Jahresbericht 2018 


Bilanzpolitik oder Nebelwerfer 

 

Befremdlich und irreführend: die Pressemitteilung der Berliner Senatskulturverwaltung zum Jahresbericht der Arbeitsraumförderung fordert zu einem Kommentar heraus. Darin spricht sie von 1.033 Arbeitsräumen, die es für die Freie Szene in Berlin geben soll. Nach unserer Rechnung sind es genau 638 Ateliers für Bildende Künstler*innen und 22 Räume für alle anderen Kunstsparten, die im aktuellen Arbeitsraumprogramm gefördert werden. 230 Atelierwohnungen und 143 weitere Arbeitsräume werden fälschlicherweise dem Arbeitsraumprogramm zugeordnet und sollen im besten Fall die Bilanz der Halbzeit der Legislaturperiode schönrechnen.   

Anders als der Senator Dr. Klaus Lederer in einem Interview mit der Berliner Zeitung vom 16. Mai 2019 behauptet hat: „Aber so ist das, wenn man von 0 auf 100 startet.“, sind die Ateliers durch die Arbeit des Atelierbeauftragten in jahrelanger, enger Zusammenarbeit mit den Senatsverwaltungen für Kultur und für Stadtentwicklung entstanden. Ein Vierteljahrhundert gesammelte Erfahrungen und entwickelte Arbeitsstrukturen ermöglichten die kontinuierliche Atelierförderung in Berlin.   

Die bittere Wahrheit ist nun, dass unter der Verantwortung von Senator Lederer die Senatskulturverwaltung diese erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Atelierbeauftragten seit 2016/17 und somit das zielgerichtete Atelieranmietprogramm akut gefährdet. Stattdessen wurde ein bürokratisches Experiment eines Arbeitsraumprogramms ohne Sachkompetenz geschaffen: am tatsächlichen Bedarf vorbei und ohne Sachverstand für künstlerische Arbeitsweisen. Mit dem Ergebnis, dass trotz verfünffachter Haushaltsmittel seit 2016 unzureichend neue Ateliers angemietet wurden. 4 Prozent mehr Arbeitsräume für Künstler*innen in den letzten zwei Jahren sind - mit dem in der Presseerklärung des Senators vom 21.5.2019 formulierten Ziel von 2.000 neuen Arbeitsräumen bis 2021 - eine klägliche Bilanz. Noch kläglicher sieht es für die anderen Sparten aus. Die versprochenen Arbeitsräume in landeseigenen Objekten bleiben bislang leere Versprechen. 

Das ist eine hausgemachte Krise. Herr Senator Lederer, bitte bejammern Sie nicht nur den Kapitalismus, sondern tun Sie das, was möglich ist: dazu gehört eine zielgerichtete Atelierförderung und endlich wieder eine seriöse Zusammenarbeit mit dem Atelierbeauftragten im Kulturwerk des bbk berlin – wie das 25 Jahre lang erfolgreiche Praxis war! 

 

Vorstand des bbk berlin e.V.

 

Anlagen:  

  

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