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Surrend – Schließung/ Wiedereröffnung

Surrend: ZOG – eine gelungene Ausstellung ironisch interventionistischer Praxis - Presseerklärung des bbk berlin

Zur Schließung der Ausstellung ZOG der Künstlergruppe SURREND in der Galerie Nord erschienen im Tagesspiegel am 3.3.2008 und in der Berliner Zeitung am 1.3.2008 kommentierende Berichte, die die Ausstellung kritisieren, weil sie die Gefühle von Islamisten unnötig provoziert:  „warum will surrend überhaupt all die Menschen ( Nazis, Fundamentalisten verschiedener Religionen, usw ) provozieren?" ... " dabei habe surrend selbst überhaupt keine Meinung", (Berliner Zeitung; „ Meinungsfreiheit, Kunstfreiheit schön und gut" hier gehe es doch nur um eine „sinnfreie Veralberung religiöser Symbole", so der Tagesspiegel.

Links zu den beiden Artikeln:

Berliner Zeitung, 1.3.2008:    Meinungsfreiheit ohne Meinung, Ellen Wesemüller

Tagesspiegel,  3.3.2008:      Deutschland ist das liberalste Land Europas, Christina Tilmann

Eine durch Gewaltandrohung vorrübergehend erzwungene Schließung einer Kunstausstellung ist für sich genommen schon schlimm genug. Noch empörender scheint uns die feige Haltung ausgerechnet zweier Berliner Presseorgane zu sein, die selbst auf Pressefreiheit angewiesen, ihr Verständnis für eine Einschränkung der Meinungs- und Kunstfreiheit ausführlich begründen.

Dazu eine Presseerklärung des bbk berlin:

„Kunstfreiheit schön und gut" ?

Zu den Vorgängen in der Galerie Nord, die zur Schließung einer Ausstellung der Künstlergruppe „surrend" nach unmittelbarer Gewaltandrohung geführt haben, erklärt Herbert Mondry, Vorsitzender des bbk berlin:
„Die Sache selbst ist schon schlimm genug. Eine Ausstellung mit der Androhung physischer Gewalt zu verhindern, geht an die Substanz der Kunstfreiheit und damit der Freiheit überhaupt. Die Freiheit von Kunst und Wissenschaft sind so elementare Rechtsgüter, dass alle, Staat und Gesellschaft, sie schützen müssen. Fehlt dieser Schutz, werden sie im Wechselspiel von Drohung und Angst, Zensur und Selbstzensur zerrieben".

Besonders schlimm aber ist, wenn die liberale Öffentlichkeit selbst - anders als etwa der Innensenator - in der Freiheit der Kunst keinen Sinn mehr sieht. Der Tagesspiegel sagt: Kunst- und Meinungsfreiheit schön und gut, aber eine sinnfreie Veralberung könne sich darauf nicht berufen.
Ähnlich die Berliner Zeitung, die die Meinungsfreiheit unter den altbekannten Vorbehalt stellt, Kritik sei nur erlaubt, wenn sie nach der Meinung des Kritisierten auch produktiv ist, denn, so die Berliner Zeitung, die Forderung, man muss alles sagen können dürfen, macht nur dann Sinn, wenn man auch tatsächlich etwas sagt. Inhaltsleere Provokation - Originalton Berliner Zeitung - müsse natürlich nicht geduldet werden.

Wie würden beide Zeitungen reagieren, wenn ein Rollkommando ihre Redaktionen stürmt: Meinungsfreiheit schön und gut, jetzt aber ist Schluß mit der inhaltsleeren Provokation der Berliner Zeitung und Schluß auch mit den sinnfreien Veralberungen des Tagesspiegels?

Jede Ausgabe einer Zeitung würde irgendeiner Gesinnungsgemeinschaft genug Anlässe für Kleinholz bieten. Freiheit, so Mondry abschließend, ob Presse- Kunst- Wissenschafts- oder Meinungsfreiheit überhaupt, ist keine Geschmackssache.

  

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