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12.11.2020 | Offener Brief der Künstler*innen: Marvin Systermans, Raisa Galofre, Flo Maak, Nadin Reschke, Sophie-Theres Trenka-Dalton, Sara-Lena Maierhofer, Zuzanna Czebatul, Dennis Scholl, Chelsea Leventhal | Sehr geehrte Damen und Herren, am 27. Oktober wurden die Ergebnisse zweier Sonderstipendien-Programme für bildende Künstler*innen in Deutschland, bzw. Berlin bekannt gegeben, die mit dem Ziel aufgestellt worden waren, Künstler*innen während der Pandemie finanziell zu unterstützen. Das mit 9.000 Euro dotierte Neustart-Stipendium des Kunstfonds, auf das sich bundesweit 4.776 Künstler*innen beworben haben, wurde an 581 von einer Jury ausgewählte Personen vergeben. Die Institution schien überwältigt von so vielen Bewerbungen, das Ergebnis kam Wochen später als geplant. Das von Kultur-Projekte Berlin ausgeschriebene Sonderstipendium – ebenfalls mit 9.000 Euro dotiert – wurde per Losverfahren an immerhin 1.995 Kunstschaffende in Berlin vergeben. Bei 8.075 eingegangenen Bewerbungen eine stattliche Zahl. Das Losverfahren klang zunächst fair, da jede*r eine Chance bekam zufällig ausgewählt zu werden, auch Newcomer*innen mit etwas Glück. Beim Kunstfonds hingegen, ganz in der Tradition großer Stipendien, ließ sich beobachten, dass viele der Rezipient*innen bereits in der Kunstwelt etabliert sind, also große Ausstellungen, Förderungen und Preise vorweisen können. Dagegen spricht erst einmal nichts. ...

Lt. "Spiegel" vom 4. Nov 2020 sperrt sich die SPD gegen Überlegungen von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), bei der Neufassung der Überbrückungshilfen auch einen Unternehmerlohn für Soloselbständige einzuführen. Ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Carsten Schneider will kein "doppeltes System aufbauen". Stattdessen werde im Sozialausschuss des Bundestages derzeit eine Verlängerung des vereinfachten Hartz-IV-Zugangs für Selbstständige bis Ende März 2021 beraten. Dabei könne er sich weitere Vereinfachungen vorstellen, etwa den Wegfall der Anrechnung der Einkünfte von Lebenspartnern bei der Berechnung möglicher Hilfen. Dazu der bbk berlin: Nein, Herr Schneider, nein, Damen und Herren Sozialdemokraten, es geht nicht um weitere Verschlimmbesserungen des schon berüchtigten "vereinfachten Zugangs" zum Arbeitslosengeld II. Künstler*innen wie auch andere Soloselbständige, deren berufliche Existenz durch die Corona-Folgen bedroht ist, sind nicht arbeitslos. Sie sind erwerbstätig. Sie bedürfen auch keiner Leistungen der Sozialfürsorge. Sie sind auch keine sozialen Härtefälle. ...

Wir sind viele. Und dies ist ein offener Brief. zur Petition: https://www.change.org/p/staatsministerin-monika-grütters-neustart-2-0 Zunächst sollten wir begreifen, dass die Kultur als einer der wichtigsten Orte unserer vielfältigen Gesellschaft fungiert, sie erschafft Welten, arbeitet unabhängig und kritisch, und vermittelt Werte. Kunst und Kulturstätten sind wichtige Foren der Begegnung und des gesellschaftlichen Austausches, Orte an denen man sich vergegenwärtigen kann, dass wir eine Gesellschaft bilden und zusammen einen lebhaften Diskurs führen können. Der zweite Lockdown ist eine Bedrohung für die Diversität der Kunst und Kultur. Ohne all das entwickelt sich die Gemeinschaft zurück zum „Individuum“, ein passiver Zustand der das Mitgestalten des Zeitgeistes und des Jetzt außen vor lässt. Ohne diese Orte, ohne die Kunst und Kultur, ohne den Austausch, gibt es nur noch ein vages Erinnern an eine kulturelle Echtheit. Kurz: keine Kulturstätten = keine gesellschaftliche Reflektion Die Krise zeigt deutlich, dass der Stellenwert der Kunst und kulturschaffenden Menschen durch die Politik bloß geringgeschätzt und geschützt wird. IKEA muss unbedingt geöffnet bleiben, das Theater lieber nicht. Ohne Einkaufszentren ist das Leben nicht lebenswert, Museen könnten dafür ja schließen. Subsumiert: Kultur ist Freizeitaktivität!

Tagesspiegel, 03.11.2020, Gunda Bartels, Frederik Hanssen, Birgit Rieger, Christian Schröder, Christiane Peitz: Die Soforthilfen des Berliner Senats genauso wie die Überbrückungshilfen aus Monika Grütters' Sommer-Milliardenprogramm „Neustart Kultur“? Eine Umfrage in den Sparten ergibt: Es herrscht eine Mischung aus Dankbarkeit, Frust und Ungewissheit – und teilweise eben doch viel Bürokratie. ... Bildende Kunst: ... Nachdem Berlin die 5000-Euro-Soforthilfe für Soloselbstständige im April zügig auszahlte, herrschte in der Künstlerschaft zunächst „ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Zuversicht“. So formuliert es die Installationskünstlerin Susanne Kutter, die auch Vorstandsmitglied im Berufsverband Bildender Künstler*innen Berlin e.V. ist. Viele hätten endlich Anerkennung gespürt. „Aber das ist lange her und das Geld ist weg“, sagt Kutter. Hinzu kommt die Verärgerung wegen der schlecht koordinierten Stipendienprogramme. Anfang der Woche kritisierte der bbk berlin das 18 Millionen Euro schwere Einzel-Stipendienprogramm der Berliner Kulturverwaltung. Statt die Bedürftigkeit zu prüfen, entschied das Los über 2000 Gewinner. Etwa zeitgleich hatte auch der Bund ein Sonderprogramm für Künstler aufgelegt. Die 581 von einer Jury aus 4752 Bewerbern ausgewählten Gewinner erhalten je 9000 Euro. Wobei die in beiden Programmen beglückten Stipendiaten sich nun für eines entscheiden müssen. Dass insgesamt nur ein kleiner Teil der Künstler zum Zuge kommt, schürt Unmut, so Kutter. ...

Das Land Berlin hat im Zeichen der Corona-Pandemie das größte Einzel-Stipendienprogramm für alle Kunstsparten aufgelegt, das es in der Berliner Kulturpolitik je gegeben hat: 18 Millionen Euro für knapp 2.000 Stipendien. Das ist zunächst eine große politische Leistung. Nun ist das Ergebnis des Losverfahrens öffentlich und zeigt: Die konzeptionellen und organisatorischen Defizite dieses Programms stellen seine Wirksamkeit in erheblichem Umfang infrage. Denn das Losverfahren schüttet Geld unterschiedslos aus. Ob eine wirtschaftliche Notsituation vorliegt, die die berufliche Existenz als Künstler*in infrage stellt oder nicht, spielt bei dieser Stipendienvergabe keine Rolle. Vergeblich hatten der bbk berlin und auch die Koalition der Freien Szene auf Teilnahmebedingungen und Auswahlverfahren gedrungen, die eine Konzentration der Mittel auf den dringendsten Bedarf gewährleistet hätten, siehe unsere Pressemitteilung vom 28. August 2020. So finden sich tausende Künstler*innen auf der Verliererseite, die das Stipendium zum Überleben dringend gebraucht hätten. Ein Stipendienprogramm ohne Konzentration auf den dringendsten Bedarf ist von Politik und Verwaltung falsch konzipiert. ...

Berlin, 29.10.2020 | Presseinformation zu den am 28.10.2020 vereinbarten Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern: Die für November 2020 angekündigten Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Corona-Virus bedeuten existentielle Einschnitte für die Freien Künste. Das zwischen Bund und Ländern vereinbarte Veranstaltungsverbot entzieht Kunst- und Kulturschaffenden erneut die Existenzgrundlage. Insbesondere soloselbstständige Kunst- und Kulturschaffende sowie kleine und mittlere Unternehmen in den Sparten Musik und Darstellende Künste werden von den Ein­schränkungen hart getroffen. Dies gilt auch für alle anderen Kunstsparten, deren Existenzgrundlage öffentliche Veranstaltungen sind. Die Akteur*innen der Freien Künste – die vom Beginn der Pandemie bis heute extrem unter den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu leiden hatten – haben die Einschränkungen gleichwohl mit enormen Kraftanstrengungen und massiven Einbußen solidarisch mitgetragen. Dennoch blieb Soloselbstständigen und Unternehmen ohne relevante Betriebskosten der Zugang zur Soforthilfe des Bundes bislang verwehrt. Wenn ihnen jetzt erneut die Existenzgrundlage entzogen wird, muss endlich ein fiktiver Unternehmer*innenlohn für Soloselbstständige anrechenbar sein – so wie es die Fachminister*innen der Länder, der Kulturausschuss des Bundesrates, der Deutsche Kulturrat als Spitzenverband der Kulturverbände, die Allianz der Freien Künste, eine überwältigende Zahl von Fachverbänden und nicht zuletzt auch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien unisono fordern. ...

Logo - Allianz der Freien Künste

Auszug: "Das seit 2014 stillgelegte Kongresszentrum ICC sollte zum Teil für Künstlerinnen und Künstler geöffnet werden. Das sagte die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linken, Katalin Gennburg, dem rbb. Sie kritisierte dabei auch den bisherigen Umgang mit dem Baudenkmal als "absolut nicht in Ordnung": Es sei nicht nachvollziehbar, dass das ICC bis 2017 noch für Flüchtlinge genutzt wurde, seitdem aber "vergammelt", so Gennburg. "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg." ... Mit Blick auf den fehlenden Raum für Kunstschaffende in Berlin sei die Teilöffnung des riesigen Gebäudes an der Messe auch eine Möglichkeit, den Kreativen der Stadt während der Pandemie zu helfen. Gennburg hat dabei nicht nur die weiten Flure und Säle des ICC im Blick, sondern auch die große Bühne in Saal 1. Eine ähnliche Forderung hatte zuvor bereits der berufsverband bildender künstler*innen berlin aufgestellt. ... Unterstützung für ihren Vorschlag bekommt Gennburg von Berlins Atelierbeauftragten Martin Schwegmann. Die Stadt habe bis zu 10.000 bildende Künstler, aber nur 1.000 geförderte Ateiliers und Atelierwohnungen. Er kritisierte, dass ihm der zugang zum ICC für eine Prüfung der Örtlichkeiten bisher verweigert worden sei. Er forderte auf Nachfrage des rbb, das ICC "kurz- und mittelfristig für eine Kunst und Kulturnutzung teilzuöffenen". Als Vorbild verwies Schwegmann auf das einst von Abriss bedrohte Haus der Statistik, das derzeit im Rahmen eines Pionierprojektes mit Kunst- und Kulturnutzung erschlossen wird. ..."

05.10.2020, artconnect, Author: Julianne Cordray - The opening of Studio Berlin at Berghain was a main feature of this year’s Berlin Art Week. But the large-scale exhibition, which showcases contemporary art from Berlin and has made it possible for the famous club to open its doors again, has also been met with criticism over the fees paid to participating artists. ... In a Tweet from September 9, the bbk berlin (professional association of visual artists) mentions this and also questions the use of such a substantial amount of public funds to produce an exhibition without running an open call or including a jury process. Speaking about the fees, Zoë Claire Miller, the spokesperson of bbk berlin, elaborates: “It is extremely problematic to pay artists such low fees in an exhibition with so much funding and of such large scale. This continues the myth that it is morally acceptable if everyone in the art world except the artist can live off of their work.” In 2016, bbk berlin, together with the city’s communal galleries negotiated minimum wage standards for artists presenting artistic works or performances in publicly funded projects. A special fund, anchored in the state budget, was created exclusively for Berlin’s municipal galleries, which Miller describes as “chronically underfunded”. The fund ensures payment of artist fees without cutting into the overall production of the exhibition. This “Berlin Model” includes a payment scale that corresponds with the number of artists participating in a project — as all artist fees are taken from a single fund. This means, for an exhibition featuring one to two artists, the minimum payment is €1,500 per artist, and the more artists participating the lower the fee becomes. For larger projects featuring more than 30 artists, a minimum of €100 is to be paid to each artist. The wage paid to Studio Berlin artists is considered to have met the minimum standards as set forth in this payment scale. But, these standards are specifically oriented towards municipal galleries, which are smaller in size, have a much lower budget for individual exhibitions, and are not allowed to charge entry fees. The question being raised is, should the minimum requirement for artist fees, as set for municipal galleries with far lower budgets, remain the same for an exhibition of this scale and with this kind of financial backing? ...

Am 18. und 19. September 2020 fand in der Inselgalerie das Symposium WEGLÄNGEN zur gleichnamigen Ausstellung mit vier Paneldiskussionen unter folgenden Schwerpunkten statt: 1. Impulse: Modellprojekte | Künstlerinnenförderung des Senats | WEGLÄNGEN-Rückblick | 2. Verbände und institutionelle Strukturen - Erfahrungen: bbk berlin - Soziale Belange und Produktionsbedingungen | GEDOK-Netzwerk | Künstlerinnen-Residenz Prösitz | Frauenmuseum Bonn | alpha-nova&Galerie futura an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und politischer Praxis u.a. | 3. Neue Initiativen von und für Künstlerinnen: Initiative Kunst+Kind Berlin | MalerinnenNetzWerk Berlin-Leipzig | Neue Wege Kunstgeschichte weiblicher zu schreiben u.a. | 4. Ausblick und Fazit: Neue Formen der Künstlerinnenförderung in Berlin | Künstlerinnen der aktuellen Ausstellung in der Inselgalerie und ihre künstlerischen Positionen | Gemeinsames Statement aller Teilnehmerinnen. | Unter dem hier veröffentlichen Link finden sich alle Video-Mitschnitte der Vorträge und Diskurse des Symposiums:

Symposium Inselgalerie

29.09.2020 | Der Sprecher*innenkreis der Koalition der Freien Szene kritisiert Teile der Ausschreibung “Draussenstadt” und den Prozess der Vergabe an die Bezirke im Rahmen von “Draussenstadt”. Die Ausschreibung “Draussenstadt” der Kulturprojekte Berlin weisst Mängel in Transparenz und Zugänglichkeit auf. Es ist nicht ersichtlich, wie die Jury zusammengesetzt wird. In keiner Zeile wird erwähnt, auf welcher Grundlage und mit welcher Expertise die Mitglieder der Jury einberufen werden. Auch geht nicht aus der Ausschreibung hervor, ob die Jury alle Sparten der Künste abbildet. Durch die Beschränkung der Einreichungen nur auf die deutsche Sprache, werden in einer internationalen Kunst- und Kulturszene, Künstler*innen von der Vergabe ausgeschlossen.

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