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Hergen Wöbken vom Institut für Strategieentwicklung (IFSE), Berlin, hat mit dem BVDG zusammen eine Studie zur Situation der Galerien in Deutschland durchgeführt. Im August wurden von uns knapp 500 Galerien für die Galerienstudie 2020 angeschrieben, 3 Wochen lief die online-Befragung, knapp 240 Galerien haben sich relevant an der Studie beteiligt, im Oktober führte Hergen Wöbken zahlreiche Interviews mit Galerist*innen und Akteur*innen auf dem Deutschen Kunstmarkt durch. Laut Monopol hier 10 überraschende Erkenntnisse aus der neuen Galerienstudie: 1. Öffnungen und Schließungen halten sich die Waage | 2. Galerien erzielen deutlich mehr Umsatz | 3. Berlin ist weiterhin die deutsche Kunsthauptstadt | 4. Galerist*innen sind keine verhinderten Künstler*innen | 5. Ein bisschen Sekundärmarkt nebenher ist ok | 6. Online bleibt eher unwichtig | 7. Das Galerienprogramm bleibt männlich geprägt (Während die deutschen Galerien in etwa zu gleichen Teilen von Männern und von Frauen geführt werden, sind von den 14.000 vertretenen Künstler*innen nur 35 Prozent weiblich. Das sind zwar zehn Prozent mehr als vor sieben Jahren, aber trotzdem ist es schockierend, wie wenig Geschlechtergerechtigkeit im Kunstmarkt angekommen ist.) | 8. Die Ungleichheit in dieser Branche ist eklatant (Nur knapp 5% der deutschen Galerien erzielen die Hälfte von deren gesamtem Jahresumsatz) | 9. Malerei dominiert noch immer | 10. Corona-Maßnahmen haben auch gute Seiten (Die negativen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie sind für Galerien deutlich zu spüren. So sind 2020 bislang zehn Prozent der Arbeitsplätze verloren gegangen. Doch hat die Krise auch positive Effekte: Brechen Messen und andere Veranstaltungen weg, entfallen auch viele Kosten und Risiken, Galerien arbeiten an ihren Digitalisierung und an politischen Lobbyzielen. "Galerien sind dabei, sich neu aufzustellen und schlagkräftiger zu werden, für sich und auch im Verbund mit anderen", heißt es am Ende der Studie. "Neben den großen Problemen durch die Pandemie wurden auch Entwicklungen angestoßen, die vielleicht in der Luft lagen und nun einen letzten Schwung bekommen haben. Eine der bleibenden Entdeckungen könnte sein, dass Austausch und Zusammenarbeit unter den Galerien ein Gewinn für alle ist.")

Galerienstudie 2020 - IFSE, Hergen Wöbken in Kooperation mit dem BVDG

PROJECT AIMS AND RES ARTIS SUPPORT OF ARTISTS DURING COVID-19: The primary aim of this partnership is to assess the impact of the COVID-19 pandemic on artist mobility, articulating the challenges and opportunities for the sector during this difficult time. Ultimately, we hope the collaboration will lead to positive change for the sector as a whole by providing information, support, and policy recommendations for artists and host organisations.In addition to this project with UCL, Res Artis is continuing to support artists and arts organisations during COVID-19 in a number of ways. The organisation has released several statements and guidance on best practices for artists and arts residencies in the event of cancelled or modified residencies. Res Artis has also built a digital library of tools and resources for remote working, hosted on their website, as well as a section on Digital Learning, which provides information about virtual residencies and other digital opportunities. The first online survey received 1,132 responses–774 from artists and 358 from arts organisations, representing Europe, Asia, Africa, the Middle East, North and South America, and Australia and New Zealand. Most artist respondents (over 80%) were from the visual arts sector, though other sectors, including dance, music, live arts, literature, craft, media, architecture, and education were represented. About 43% of artist respondents consider their practice to be “interdisciplinary” or “multidisciplinary.” With regards to career stage, 36% of respondents are “emerging,” 41% are “mid-career,” and 23% are“established” artists. Arts organisation respondents were primarily not-for-profit and artist-run organisations.

Res Artis COVID-19 SURVEY I 2020

Celebrating a new publication on the subject. The Israeli Visual Artists Association invites the representatives of three of the world's leading artists' associations to discuss the issues visual artists associations around the globe have in common, and the qualities which make their organizations successful. This event was held on Nov 18th, 18:00-18:05 – Greetings: Dr. Shachar Freddy Kislev – chairman of the Israeli Visual Arts Association; 18:05-18:20 – Keynote Speaker: Dr. Elad Yaron; 18:20-19:20 – Learning from Successful Artists' Associations Around the Globe: Chair: Dr. Elad Yaron; Paddy Lamb, chairman and spokesperson of The Canadian Artists’ Representation (CARFAC); Ruben Steinum, chairman of the board of The Association of Norwegian Visual Artists (NBK); Zoë Claire Miller, one spokeswoman of The Professional Association of Visual Artists Berlin (bbk berlin); Dr. Shachar Freddy Kislev, chairman of the Israeli Plastic Arts Association. The documentation is published on vimeo:

Learning from Successful Artists' Associations Around the Globe

Seit 2011 betreibt der Verein „Intervention Berlin e.V.“ in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Kunst und Kultur des Bezirksamts Lichtenberg das erfolgreiche internationale Residenzprogramm Lichtenberg Studios. Nun hat uns das Bezirksamt mit einem Schreiben vom 12.11.2020 kurzfristig und völlig überraschend gekündigt. Danach dürfen wir ab 2021 die Räume nicht mehr nutzen. Damit sind die Lichtenberg Studios geschlossen. Das Programm für 2021 steht bereits. Alle unsere Anstrengungen, mit denen wir das diesjährige Programm unter strenger Beachtung der Corona-Verordnungen in einer entsprechend reduzierten Form durchführen, scheinen umsonst zu sein. Die Kündigung ist umso hartherziger, da sie gerade während der durch die Corona-Pandemie verschärften schwierigen Situation für Künstler*Innen und Kulturschaffende geschah. Wir als Verein, die beteiligten Künstler*Innen und Resident*Innen und all jene, die sich in den letzten 10 Jahren dort kennenlernen durften, sind fassungslos und traurig.Was die konkreten Gründe für die Kündigung und die daraus folgende Schließung der Lichtenberg Studios sind, erschließt sich uns nicht. Die vagen Andeutungen der Zuständigen zeugen von einer gewissen Unkenntnis des Programms und der Leistung der Lichtenberg Studios. Während die ehemalige Bürgermeisterin Christina Emmerich und die Kulturamtsleiterin Katrin Framke die Gründung der Lichtenberg Studios unterstützten und Veranstaltungen besuchten, ließen sich die späteren Verantwortlichen des Bezirks dort kaum blicken.

Am 13.11.20 wurde per Pressemitteilung aus Finanz- und Wirtschaftsministerium angekündigt wie die Unterstützung ab Dezember aussehen soll. Genauer: Ab Januar 2021 - der Einführung der Überbrückungshilfe 3 mit Rückwirkung auf den Dezember, was die sogenannte "Neustarthilfe" betrifft. Deklariert ist diese Hilfe, die speziell Solo-Selbstständige adressiert als "einmalige Betriebskostenpauschale". - Ein detailliertes Programm oder gar ein Antrag existieren noch nicht, allerdings beschreibt die Pressemitteilung bereits ein paar (Berechnungs-)details. Die bekannten Grundzüge führen wir hier auf - und haben auf dieser Grundlage auch einen Excel-Rechner zur Neustarthilfe erstellt. Mit dem lässt sich schnell checken, ob und welche Hilfe erwartbar ist. Einzugeben sind der Jahresumsatz 2019 und der erwartete Umsatz ab Dezember bis Juni 2021.

FAQ Solo-Selbständige ver.di

Die Bundesregierung hat ein neues Corona-Hilfsprogramm für Soloselbständige angekündigt, dass sie "Neustarthilfe" nennt und von dem sie erklärt, es bringe "Wertschätzung" gegenüber den Leistungen von Selbständigen zum Ausdruck. Das tut es nicht. An der Politik der Bundesregierung, Selbständige und damit die meisten Künstler*innen, die wirtschaftlichen Schaden durch "Corona" genommen haben und nehmen, in das Grundsicherungssystem Hartz IV zu pressen, hat sich nichts geändert. Das neue Programm sieht als maximalen Ausgleich für einen Teil der Umsatzausfälle durch "Corona " einen Betrag von 5.000 Euro vor, der die kommenden 7 Monate abdecken soll. 5.000 Euro erhält aber nur, wer 2019 einen Jahresumsatz über 34.285 Euro hatte. Da das durchschnittliche Künstler*innen-Einkommen jedoch weit darunter liegt, kann die "Neustarthilfe" für die meisten nur entsprechend niedrig ausfallen. Und die große Mehrheit der Künstler*innen hat unter diesen Bedingungen von dem Programm gar nichts oder nur Kleinbeträge zu erwarten. Das reicht nicht zum Leben, es bleibt bei Hartz IV für Soloselbständige und Künstler*innen, wenn es nach der Bundesregierung geht. Das neue Programm soll die Grundsicherung nur ergänzen, nicht etwa ersetzen. Das bedeutet: keine zielgenaue und die Pandemiefolgen einigermaßen ausgleichende wirtschaftliche Überbrückungshilfe wie beim Kurzarbeitergeld für abhängig Beschäftigte oder den Zuschüssen für Unternehmen.

An Hubertus Heil und Olaf Scholz, SPD | Funktion: Bundesminister für Arbeit und Bundesminister für Finanzen | Seit Anfang November gibt es einen neuen Teil-Lockdown - und erneut sind viele Soloselbständige (vor allem im Kulturbereich) von den Einschränkungen hart getroffen. Zum Ausgleich hat die Bundesregierung die “November-Hilfen” beschlossen - doch die gelten nur für die durch den Shutdown betroffenen Branchen und nur für den November. Für alle anderen Soloselbständigen und für die ganzen letzten Monate und auch für die Zukunft lautet die Antwort der Bundesregierung auf die Pandemie: Beantragt doch “Grundsicherung” - unpassend und unwürdig für die meisten Betroffenen. | Wirtschaftsminister Altmaier (CDU) zeigt Sympathie für einen “fiktiven Unternehmer*innenlohn” – als Alternative zu Hartz IV. Doch noch verweigern sich Finanzminister Scholz und seine SPD. Sie wollen wir jetzt mit tausenden E-Mails überzeugen. Bitte machen Sie mit und klicken Sie für Ihre E-Mail an Scholz und die SPD rechts auf den Button “Mail”. Link -> zu Aktion.Compakt.de

09.11.2020, TAZ, Brigitte Werneburg: Der Kunstfonds Bonn vergab das „Stipendium für bildende Künstler*innen mit Kindern unter 7 Jahren“ an mehr Männer als Frauen. Vor allem die in den letzten Jahren entstandenen Initiativen „kunst + kind“ in Berlin und K & K in München sowie „Mehr Mütter für die Kunst“ in Hamburg sahen sich in ihrem Anliegen bestärkt, dass die besonderen strukturellen Probleme von Künstlerinnen mit Sorgeverpflichtung in der Kunstförderung berücksichtigt werden müssen. Sie waren zufrieden, bis sie die dezidiert misogyne Jury-Entscheidung zur Kenntnis nehmen mussten – hatten die Bewerbungen von Frauen für das Stipendium doch 60 Prozent betragen, die dann disproportional mit nur 45 Prozent positiven Bescheiden beantwortet wurden. ... Die Förderung ging also mehrheitlich an die Männer unter den Künstler*innen, an eine ohnehin geförderte Elite. In Einzelfällen war das Stipendium sogar bereits die zweite Förderung. Die daran von den Initiativen und weiteren Künstler*innen-Organisationen am 6. Oktober in einem offenen Brief geäußerte scharfe Kritik beantwortete die Geschäftsführerin des Kunstfonds, Karin Lingl, am 3. November mit der Formel: „Dürfen wir in diesem Zusammenhang an einige Grundsätze der Stiftung Kunstfonds erinnern.“ Der erste Grundsatz lautet, man mag es gar nicht glauben: „Gefördert werden einzelne Künstler*innen ebenso wie Modellvorhaben mit gesamtstaatlicher Bedeutung.“ Hallo?! Im Ernst? Wie es dann mit dem nächsten Grundsatz ausschaut, dass die vom Stiftungsrat gewählten Jurys „über eine Förderung ausschließlich anhand der künstlerischen Qualität“ entscheiden, bleibt unerfindlich. Oder ist künstlerische Qualität neuerdings wirklich durch das Kriterium „gesamtstaatliche Bedeutung“ definiert? Gar nicht zu sprechen davon, dass die geforderte Qualität offenbar wieder einmal nur von Männern geleistet wird. Die Frauen, die qualitativ nicht mithalten können, werden dann daran erinnert, dass es sich bei den Förderungen der Stiftung Kunstfonds „weder um Sozialleistungen noch Wirtschaftsbeihilfen“ handelt. Offenbar ist auch „mit Kind unter 7 Jahren“ ein künstlerisches Qualitätskriterium und nicht, wie zu erwarten, ein sozialer Tatbestand. Aus letzterer Bemerkung muss jedenfalls der Schluss gezogen werden, dass die Stiftung Kunstfonds definitiv nicht die richtige Adresse ist, die Kunstszene mit den Geldern aus dem Rettungsprogramm Neustart Kultur von Monika Grütters zu versorgen. Natürlich geht es hier um Wirtschaftsbeihilfen. Bestimmt nicht um noch mehr kuratierte Stipendienprogramme von gesamtstaatlicher Bedeutung. Statt ihre berufliche Existenz zu sichern, schickt man die Künstler*innen in Hartz IV. Was den schönen Effekt hat, dass von der Milliarde der Staatsministerin bislang gerade mal 47 Millionen Euro abgerufen wurden, wie aus einem Bericht des Haushaltsausschusses des Bundestags hervorgeht. Die Künstler*innen sind aber nicht arbeitslos, sie sind erwerbstätig und bedürfen keiner Leistungen der Sozialfürsorge. ...

Anhörung der Verbände der Künstler*innen und Kulturschaffenden zu den aktuellen pandemiebedingten Entwicklungen in der Berliner Kulturlandschaft. Für die Bildende Kunst sprach Zoë Claire Miller, eine unserer Sprecherinnen. Ihr Statement ist nachzuhören ab 54:39 bis 1:01:30. Die Beantwortung der Rückfragen ab 2:10:00 bis 2:13:02 mit einem klaren Abschlussstatement gerichtet an Herrn Neuendorf von der AFD: "Es ist so, dass ich die AFD als rassistische, frauenfeindliche und homophobe Partei sehe, und ich beantworte ihre Fragen sehr gerne nach Ihrem Parteiaustritt."

56. Sitzung des Ausschusses für Kulturelle Angelegenheiten 9.11.2020

Der zweite Shutdown binnen eines Jahres trifft Kunst und Kultur neben vielen anderen Berufszweigen mit voller Härte. Bereits die Auswirkungen des ersten Shutdowns und der fortbestehenden Einschränkungen durch Hygiene- und Abstandsregeln waren verheerend für Kunst und Kultur. Gerade Akteur*innen der Freien Szenen sind in ihrer Existenz bedroht und stehen beruflich vor dem Aus. In den letzten Tagen gab es zahlreiche Aufrufe und Appelle von Verbänden, Aktionsbündnissen und Künstler*innen, die die Verhältnismäßigkeit und vor allem Einseitigkeit der Maßnahmen kritisiert haben, zumal insbesondere in Kunst und Kultur effektive Hygienekonzepte entwickelt und umgesetzt wurden. Vieles ist von der Politik in den letzten Monaten versäumt worden: fehlende Vorausschau, ein bundesweit einheitlicher Stufenplan, Auswertungen dahingehend, welche Infektionsrisiken von welchen Branchen ausgehen oder auch konkrete Schutzkonzepte für Schulen. Stattdessen viel Aktionismus und ein unübersichtlicher Flickenteppich an gut gemeinten, aber nicht immer durchdachten Hilfs-, Förder- und Stipendienprogrammen auf Landes- und Bundesebene. ...

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