04.03.2025 | Rechtsruck und Sparmaßnahmen - Warum eine Demokratie unbedingt Künstler braucht
04.03.2025 | monopol magazin | Gastbeitrag von Charlie Stein: Warum eine Demokratie unbedingt Künstler braucht
Auszug [...]
Das Schleusenmodell: Wo die Kunst in der Demokratie steht
Darin beschreibt Habermas, wie gesellschaftliche Problemlagen (issues) – zunächst diffuse, periphere Phänomene – nach und nach in die politische Sphäre einsickern, bis sie als Gesetz oder policy verankert werden (siehe dazu Habermas' "Faktizität und Geltung", 1992). Heute würde man diese frühen gesellschaftlichen Regungen als vibes bezeichnen – und Künstler sind diejenigen, die sie zuerst wahrnehmen.
Wo stehen Kunstschaffende in diesem Modell? In der absoluten Peripherie. Dort, wo Probleme noch unklar, unfassbar und ungeformt sind, wo sie sich noch nicht in Schlagzeilen oder politischen Forderungen manifestiert haben. Hier setzt die Kunst an: Sie gibt Form, wo Sprache noch fehlt.
In diesen frühen Phasen gesellschaftlicher Umbrüche fungieren Künstler als eine Art seismografisches Frühwarnsystem. Sie bemerken Dinge, die noch niemand in Worte fassen kann. Bedeutet das, dass Kunst Politik machen muss? Nein. Aber sie stellt die Fragen, die später in Debatten münden. In einer Demokratie, die deliberativ – also durch offenen Diskurs – funktioniert, ist das nicht optional, sondern essenziell. [...]
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