05.10.2021 | Offener Brief gegen das vorzeitige Vertragsende von Dr. Katja Blomberg als Direktorin im Haus am Waldsee

Offener Brief der Künstlerinnen Karin Sander und Christine Streuli:

Liebe Mitglieder des Vorstandes im Trägerverein,
sehr geehrte Damen und Herren,

aus der Presse haben wir erfahren, dass die Direktorin des Haus am Waldsee, Katja Blomberg, ihre langjährige Tätigkeit mit sofortiger Wirkung am Tag vor der Eröffnung der von ihr noch kuratierten Tony Cragg Ausstellung beenden musste. Unsere Vermutung ist, dass sie auf die Weiterarbeit nicht freiwillig verzichtet hat.

Wir sind entsetzt über diesen Vorgang und bitten Sie mit Nachdruck, diese Entscheidung zu revidieren. Es ist nicht hinnehmbar, dass Katja Blomberg nach eineinhalb Jahrzehnten erfolgreicher Arbeit für das HAW ihre letzten 9 Monate vor ihrer Pensionierung untersagt wird, ihre Ausstellungsprojekte zu Ende zu führen, die sie von langer Hand vorbereitet hat.

Katja Blomberg hat in den 16 Jahren ihrer Tätigkeit für das Haus am Waldsee und für die Kunst in Berlin großartige Arbeit geleistet und die Institution aus ihrem „Dornröschenschlaf» geweckt, zu einem wichtigen und vitalen Ort der bildenden Kunst, der Architektur und des Designs gemacht. Sie hat für das Haus am Waldsee ein einzigartiges Programm entwickelt, das zum Magnet für ein breites Publikum wurde. Ihrem Einsatz und ihrer Durchhaltekraft ist es zu verdanken, dass das Haus vollständig saniert, erfolgreich umgebaut und erweitert wurde. Der Garten wurde erstmals unter ihrer Leitung zur Bühne für Skulptur, Performances und künstlerischer Interaktion und steht jetzt unmittelbar vor der von ihr initiierten Sanierung.

Gibt es mit jemanden, der das Haus so glänzend und erfolgreich geführt hat, Differenzen, die (für noch neun Monate!) unüberbrückbar sind? Kann der Trägerverein trotz bestehender Differenzen nicht einen kunstfreundlichen, menschenwürdigen Weg finden, statt eine radikale Beendigung der erfolgreichen Arbeit von Katja Blomberg durchzusetzen, die das Renommee des Hauses sowie aller Beteiligten beschädigt und die Suche nach einem/einer Nachfolger*in unsinnig erschwert?

Was auch immer zu dem Zerwürfnis geführt hat, es kann niemals so gravierend sein, dass es rechtfertigt, eine herausragende Arbeit von 16 Jahren so abrupt zu beenden. Wir fordern den Trägerverein, insbesondere dessen Vorstand auf, Katja Blomberg einen würdigen und angemessenen Abschluss ihrer professionellen Arbeit am Haus am Waldsee zu ermöglichen. Wir alle danken Katja Blomberg für die konstruktive Zusammenarbeit, ihr unermüdliches, persönliches Engagement auch schwierige Projekte zu ermöglichen und der bildenden Kunst in Berlin eine neue Heimat gegeben zu haben.

Mit freundlichen Grüßen
Christine Streuli, Karin Sander

Mitunterzeichner*innen im anliegenden Schreiben: