11.09.2026 | KiöR-Walk durch Berlin: Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum zwischen Potenzial und Problemlagen
Im Rahmen der Aktionswoche von #BerlinIstKultur führte das Büro für Kunst im öffentlichen Raum am 9. September 2026 einen „KiöR-Walk“ durch das Berliner Stadtzentrum durch.
Einen sehr lebendigen Auftakt bot der „Gertraudenhain“ den fünfzehn Teilnehmenden. Der Künstler Christof Zwiener erläuterte die Bedeutung des von ihm initiierten “tiny forest”. Dieser ist sowohl ein Statement für eine notwendige Stadtökologie als auch Impuls für eine soziale Veränderung in dem vom Verkehr geprägten Stadtraum an der Leipziger Straße. Von dort näherte sich der KiöR-Walk vorbei am “PetriBerlin” und dem dortigen Kunst am Bau-Bodenmosaik von Alona Rodeh dem umstrittenen Humboldt-Forum an. Die Schlossattrappe stand auch mit ihrer Kunst am Bau in der öffentlichen Kritik, ging der letzte Kunst-Auftrag für den Monumentalbau an einen Architekten anstatt an eine Künstler*in.
Der KiöR-Walk verdeutlichte die unterschiedlichen Auftragsebenen zur Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum, die sich sowohl auf kommunaler (bezirklicher), auf Landesebene als auch durch den Bund ergeben. Alle drei Auftraggeberschaften gelangen in Berlin zur Anwendung und ermöglichen den professionellen Bildenden Künstler*innen vielfältige Arbeitsmöglichkeiten.
Dass Transparenz und Chancengleichheit im öffentlichen Berliner Wettbewerbswesen immer noch eine Herausforderung sind, wurde am Standort des Berliner Lutherdenkmals erläutert. Hier war ein erstes Wettbewerbsergebnis mit einer dubiosen Neuausschreibung aufgehoben worden. Auch Pflege und Unterhalt von vorhandener Kunst im öffentlichen Raum sind eine fortwährende Herausforderung, wie sich am „Block der Frauen“, dem Denkmal zur Erinnerung an die Frauenproteste Rosenstraße 1943, von Ingeborg Hunzinger zeigt. Die Künstlerin Maria Eichhorn verwendete die Auszeichnung mit dem Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste für eine restauratorische Bestandsaufnahme des ungewöhnlichen Kunstwerks.
Der KiöR-Walk bündelte ein kompaktes Programm aktueller Entwicklungen und Problemstellungen zur Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum. Zur Erinnerung: Die Mittel des Landes Berlin für Kunst im Stadtraum wurden seit 2024 um 66 Prozent gekürzt, die Mittel für bezirkliche kulturelle Projekte im Stadtraum (Draußenstadt) im Haushalt 2026/27 komplett gestrichen. Gleichzeitig sind die Ansätze für Kunst am Bau seit 25 Jahren nicht gestiegen.
Kunst im öffentlichen Raum ist niedrigschwellig, da sie frei und kostenlos für alle zugänglich ist.
Damit verkörpert Kunst im öffentlichen Raum das demokratische Grundprinzip der Kultur für alle, weshalb an die Politiker*innen im Vorfeld aber auch im Nachgang der Wahlen appelliert wird, dass diese Strukturen nicht nur erhaltenswert, sondern unterstützungsnotwendig sind und gestärkt und ausgebaut werden müssen.