12.09.2025 | Pressemitteilung des bbk berlin: Ohne Kunst und Kultur keine Vielfalt. Ohne Vielfalt keine gesicherte Demokratie!
Drittes Statement des bbk berlin zu den Kürzungen im Berliner Kulturhaushalt 26/27 gegen die bildende Kunst:
Die Bildende Kunst ist unverzichtbar für eine offene Gesellschaft. Wer sie dauerhaft kürzt und Vielfalt einschränkt, gefährdet die Weltoffenheit Berlins.
Wir wiederholen ausdrücklich, was das Aktionsbündnis #BerlinIstKultur in seiner Pressemitteilung unmissverständlich deutlich macht: Was sind die Versprechungen des Regierenden wert?
Der Regierende Bürgermeister hat versprochen, dass kein Haus schließen muss. Aber das English Theatre Berlin, das Fliegende Theater und das Schlossplatztheater Köpenick verlieren ihre Förderung und werden 2026 schließen müssen, weil nicht genug Geld in der Projektförderung ist. Ateliers und Arbeitsräume gehen verloren, wenn Verpflichtungsermächtigungen ausbleiben und Mietverträge auslaufen, gilt dann das Versprechen des Regierenden und der Senatorin für die drei Theater und die Produktionsorte der Bildenden Kunst nicht?
Die Senatorin Sarah Wedl-Wilson versprach Mindesthonorare und nur die vorübergehende Aussetzung des Fonds Ausstellungsvergütung für bildende Künstler*innen (FABIK) in 2025. Doch die Gelder für Mindesthonorare werden im Nachtragshaushalt 2025 als Sparpotenzial genutzt, FabiK wird unwiderbringlich abgeschafft und die Verantwortung für Künstler*innen-Honorare wird de facto an die Bezirke abgeschoben.
Wir fragen also: erfolgt die Bezahlung von professionellen Künstler*innen zukünftig wieder nach Gutdünken und in Abwägung zu Toilettensanierungen und Vermittlungsprogrammen? Was für ein Rückschritt. Fast 10 Jahre war Berlin mit seinen Ausstellungsvergütungen als Berliner Modell wegweisend und auch internationales Vorbild.
Als wäre das nicht schon Rückschritt genug, verliert die Kunst im Stadtraum mit Durchsetzung der Kürzungen im Vergleich zu 2024 über 85 % ihres Budgets und auch im Bereich Atelierförderung durch das Arbeitsraumprogramm ist die versprochene Schaffung neuer Räume längst abgesagt. Stattdessen wird die Kürzung für die Bestandsmieten fortgeschrieben. Die Zukunft vieler Ateliers ist akut bedroht. Räume, die teils seit den 1990ern angemietet sind!
Scheinheilig und zynisch
Während wir auf die Zahlen schauen, spricht Frau Kultursenatorin Wedl-Wilson auf der Eröffnung der Berlin Art Week in dieser Woche im Garten des Hamburger Bahnhofs feierlich über Finanzierung und Vielfalt. Frau Wedl-Wilson, wenn Sie sagen, „Die Art Week ist wichtig“, müssen Sie damit doch auch konkret den Erhalt der Bildenden Kunst und die Unterstützung der Bildenden Künstler*innen in Berlin meinen. Sie kennen das Jahreseinkommen von Berliner Künstler*innen in der Bildenden Kunst. Sie wissen, was die Streichung von Ausstellungshonoraren und der Atelierverlust für die Kunstschaffenden bedeutet. Was sie jetzt kürzen, ist die Abschaffung der Substanz dessen, was sie gerade hoch gelobt haben.
Auch Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey ergreift bei der Eröffnung der Berlin Art Week das Wort. Sie betont, dass Kunst und Kultur für Berlin von absoluter Bedeutung sind, hebt hervor, dass fast die Hälfte aller Bildenden Künstler*innen Deutschlands in Berlin leben, und erklärt, dass diese weiterhin unterstützt werden sollen.
„Gerade diese Aussage ist in meinen Augen angesichts des radikalen Kahlschlags in der Bildenden Kunst absolut scheinheilig und zynisch“, so Frauke Boggasch, Co-Sprecherin des bbk berlin. Und weiter: “Wenn wir in Berlin professionell arbeitenden (bildenden) Künstler*innen die existenziellen Grundlagen entziehen, wenn wir ihnen Räume, Förderung und Sicherheit nehmen, berauben wir sie der Möglichkeit, ihren Beruf weiterhin auszuüben und ihre gesellschaftlich wichtige Rolle wahrzunehmen: Mut zu Neuem zu haben, ihren oftmals marginalisierten Stimmen Gehör zu verschaffen, Stigmata aufzubrechen, prekäre Realitäten sichtbar zu machen, Verständigung zwischen Kulturen zu ermöglichen und kritische Selbstreflexion anzustoßen.”
Zukunft sieht anders aus
Warum werden gerade jetzt, wo die Demokratie Schwäche zeigt, niedrigschwellige Zugänge zur Kunst, die jahrelang mühsam erarbeitet wurden und nachweislich positive gesellschaftliche Wirkung entfalten, systematisch zunichtegemacht?
Wenn der Politik die besondere internationale Rolle Berlins als Kunst- und Kulturmetropole wirklich so wichtig ist, wie in Reden immer betont wird, wo bleibt dann die Unterstützung zum Erhalt Berlins als internationale Kunst- und Kulturmetropole?
Birgit Cauer, Co-Sprecherin bbk berlin: “Niedrigschwellige Kunstangebote in Berlin sind essenziell, damit Kunst für alle bleibt. Wir brauchen die Gelder, damit die Kunst nicht aus dem Stadtbild verschwindet. Wer Kunst, Kultur und Vielfalt beschneidet, schwächt die demokratische Basis und öffnet Türen für autoritäres Denken!”
Wir fordern wiederholt die sofortige Rücknahme der Kürzungen im Kulturbereich!
Frauke Boggasch und Birgit Cauer
Sprecherinnen bbk berlin