13.04.2026 | "Honoraruntergrenzen für freie Künstler*innen: Land NRW stellt 3 Millionen Euro zusätzlich für die faire Bezahlung bereit"

Kommentar

Hintergrund: Die faire Bezahlung von Künstlerinnen und Künstlern ist ein zentrales kulturpolitisches Anliegen der Landesregierung Nordrhein-Westfalen. Seit Januar 2026 gelten bei der Bezahlung von freischaffenden Künstler*innen in NRW in allen Sparten Honoraruntergrenzen, sobald das Land mit einem Cent an der Förderung beteiligt ist. Damit ist Nordrhein-Westfalen das erste Flächenland, das die faire Bezahlung von Kunstschaffenden so konsequent umsetzt. Um die Mehrkosten für die Veranstalter*innen abzufedern, stellt das Land in diesem und im kommenden Jahr jeweils rund 3 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. 

Mehr darüber lesen: https://www.land.nrw/pressemitteilung/honoraruntergrenzen-fuer-freie-kuenstlerinnen-und-kuenstler-land-stellt-3

„Wir schauen aus Berlin mit großem Interesse und ausdrücklich positiv auf diesen Schritt in Nordrhein-Westfalen. Die Einführung von Honoraruntergrenzen für freie Künstler*innen ist ein längst überfälliges und starkes Signal innerhalb der Kulturförderung“, so Birgit Cauer, Co-Sprecherin des bbk berlin.

Gleichzeitig stellt sich die dringliche Frage, wo eine vergleichbare Entschlossenheit in der Berliner Politik bleibt. „In Berlin wird immer wieder betont, dass die finanziellen Spielräume, insbesondere in der Kulturpolitik, begrenzt seien. Doch NRW zeigt deutlich, dass auch ein Bundesland, das keineswegs im Geld schwimmt, politische Prioritäten setzen kann“, so Frauke Boggasch, Co-Sprecherin des bbk berlin.

Der bbk berlin begrüßt in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Aussage der nordrhein-westfälischen Kulturministerin Ina Brandes, dass künstlerische Arbeit einen gesellschaftlichen Wert hat, der sich auch in fairen Honoraren widerspiegeln muss.

Vor diesem Hintergrund erscheint das in Berlin häufig vorgebrachte Argument fehlender finanzieller Mittel zunehmend vorgeschoben. Es verdeutlicht weniger ein strukturelles Unvermögen als vielmehr einen Mangel an politischem Willen und Verantwortungsbewusstsein gegenüber der eigenen Kulturlandschaft.

Wer die Bedeutung von Kunst ernst nimmt, muss auch bereit sein, ihre Produktionsbedingungen abzusichern. Jeder investierte Euro zahlt sich nachweislich aus: in Form von kultureller Vielfalt, gesellschaftlicher Resilienz und nicht zuletzt in der Möglichkeit für Künstler*innen, unter würdigen Bedingungen zu arbeiten – ohne permanente Existenzsorgen, mit Zugang zu Materialien und mit der notwendigen mentalen Freiheit für künstlerische Prozesse.

Es geht daher nicht mehr um die Frage, ob Berlin es sich leisten kann, sondern ob Berlin es sich leisten will, seine Künstler*innen weiterhin strukturell zu unterfinanzieren.

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