16.02.2026 | Alterssicherung gerecht gestalten – bildende Künstler*innen dürfen nicht vergessen werden!

Berlin, den 16.02.2026

Alterssicherung gerecht gestalten – bildende Künstler*innen dürfen nicht vergessen werden!

Sehr geehrte Mitglieder der Rentenkommissionen,
sehr geehrte Frau Fahimi,
sehr geehrte Frau Bundestagsabgeordnete Lang, sehr geehrter Herr Kühnert,
 

mit großem Interesse nimmt der berufsverband bildender künstler*innen berlin (bbk berlin) zur Kenntnis, dass eine weitere Rentenkommission eingesetzt wurde, die die soziale Verantwortung einer solidarischen Gesellschaft ins Zentrum der Altersvorsorge rückt. Dieses Anliegen begrüßen wir ausdrücklich. Zugleich möchten wir mit Nachdruck darauf hinweisen, dass ein zukunftsfähiger Vorschlag zur Alterssicherung eine Berufsgruppe nicht länger ausblenden darf: die bildenden Künstler*innen.

Der bbk berlin vertritt als mitgliederstärkster Einzelberufsverband über 3.000 bildende Künstler*innen. In einem intensiven Gespräch mit Kevin Kühnert im Jahr 2024, das in einem Atelier einer Künstlerin im Rentenalter in Berlin-Schöneberg stattfand, konnten wir die reale Erwerbs- und Lebenssituation von Künstler*innen eindrücklich darstellen. Bildende Künstler*innen arbeiten ihr gesamtes Berufsleben, leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur kulturellen und demokratischen Infrastruktur unseres Landes – und sind dennoch überdurchschnittlich von Altersarmut betroffen. Rund 54 % der bildenden Künstler*innen in Deutschland leben im Alter in Armut, Frauen noch häufiger als Männer.

Viele Künstler*innen zahlen über Jahrzehnte hinweg durch ihre Mitgliedschaft in der KSK (Künstlersozialkasse) in die gesetzliche Rentenversicherung ein und erfüllen dennoch nicht die Voraussetzungen für den Bezug der Grundrente. Wenn Menschen nach 33 Jahren Arbeit und Beitragszahlung als „zu arm für die Grundrente“ gelten, ist dies ein deutlicher Hinweis auf strukturelles Versagen - die Ursache liegt nicht in mangelnder Erwerbstätigkeit, sondern in der Realität selbständiger, projektbasierter und einkommensschwankender künstlerischer Arbeit.

Ein zentrales Problem sehen wir in den Anspruchsvoraussetzungen der Grundrente: Neben der Mindestbeitragszeit von 33 Jahren muss ein Einkommen von mindestens 30 % des bundesweiten Durchschnittseinkommens erreicht worden sein. Diese Regelung verkennt die Realität künstlerischer Erwerbsbiografien. Eine Studie des BBK Bundesverbands zeigt, dass 90 % der Künstler*innen aus ihrer künstlerischen Tätigkeit ein Jahreseinkommen von unter 20.000 Euro erzielen. Die Folge ist ein systematischer Ausschluss von der Grundrente trotz nachgewiesener Lebensleistung.

Allein in Berlin sind derzeit rund 40.000 Personen über die Künstlersozialkasse versichert, darunter etwa 14.000 in der Fachgruppe Bildende Kunst. Mehr als die Hälfte von ihnen arbeitet hauptberuflich als bildende Künstler*innen – vielen droht Altersarmut.

Wir begrüßen ausdrücklich die Zusammensetzung der Rentenkommission sowie die klaren Signale aus Gewerkschaften und Politik, einen sozial gerechten Gegenentwurf zur bisherigen Rentenpolitik zu entwickeln. Hier sehen wir eine entscheidende Chance, die Situation bildender Künstler*innen substantiell in die Debatte einzubringen. Eine Rentenreform, die sich weiterhin primär an linearen Erwerbsbiografien orientiert, greift zu kurz und blendet gesellschaftlich relevante Berufsgruppen aus.

Wir appellieren daher eindringlich an Sie, bei der Weiterentwicklung der Alterssicherung
– die besonderen Erwerbsrealitäten von Künstler*innen anzuerkennen und
– die Einkommensgrenze für den Bezug der Grundrente auf maximal 10 % des Durchschnittseinkommens abzusenken und diese an den Kriterien der Künstlersozialkasse auszurichten.

Eine solidarische Alterssicherung muss allen gerecht werden, die ihr Leben lang gearbeitet, Beiträge gezahlt und unsere Gesellschaft mitgestaltet haben – auch jenseits klassischer Anstellungsverhältnisse. 

Wir bitten Sie, diesen Appell in den laufenden Beratungen zu berücksichtigen und die Absicherung bildender Künstler*innen fest in der Rentenreform zu verankern.

Gerne würden wir unser Anliegen in einem persönlichen Gespräch vertiefen.

Mit freundlichen Grüßen

Frauke Boggasch & Birgit Cauer
Sprecherinnen des bbk berlin

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