18.09.2026 | Neues Atelierhaus im alten Gefängnis: 32 neue Ateliers
Am 3. September wurde das neue Atelier- und Probehaus in der Lehrter Straße 61 in Moabit mit einem kleinen Festakt eröffnet. Die landeseigene Immobilie ist von der BIM in einer mehrjährigen Bauphase denkmalgerecht saniert und barrierearm ausgebaut worden. Mit einer symbolischen Schlüsselübergabe an den Kultursenator Stefan Evers und die Kulturraum gGmbH als Generalmieterin wurde dieser Meilenstein begangen. Für die Atelierförderung im Arbeitsraumprogramm bedeutet das einen Zuwachs von 32 geförderte Ateliers für Bildende Kunst.
Für das Gebäude in der Lehrter Straße tagte der Atelierbeirat bereits im Frühjahr und sprach die 32 neuen Räume im ehemaligen Verwaltungstrakt 37 Bildenden Künstler*innen zu, die im August bereits eingezogen sind. Im Zellentrakt wurden Musikproberäume eingerichtet, die ebenfalls bereits größtenteils in Nutzung sind. Weitere Gebäudeteile sollen zu temporären Proberäumen ausgebaut werden.
Ein Ort mit bewegter Geschichte
Das Gebäude in der Lehrter Straße 61 blickt auf eine bewegte und bewegende Geschichte zurück. Der heute denkmalgeschützte Komplex wurde etwa um 1900 als militärische Arrestanstalt errichtet. Während des Zweiten Weltkriegs war er Untersuchungsgefängnis der Wehrmacht, anschließend bis 1985 das Frauengefängnis West-Berlins und dann Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Plötzensee. Der Strafvollzug endete 2013.
Bei der Sanierung blieben historische Bauelemente wie Fassaden und Fenster erhalten und auch Teile der Gefängnismauer. Mehrere Zellen wurden in den Originalzustand versetzt. Die technische Infrastruktur wurde erneuert. Die Musikproberäume wurden akustisch ausgebaut und die Innenhöfe neugestaltet. Das Land Berlin investierte rund 17,7 Millionen Euro in die Sanierung.
Zur Eröffnung waren einige Ateliers und Proberäume für die Besuchenden geöffnet. Während Führungen durch das Gebäude erläuterten die Architekten die Details der denkmalgerechten Sanierung. Eine experimentelle Musikvorführung mit Alphorn und Sedimentgestein (Katrin Vogel und Simon Berz) warf analog dazu einen musikalischen Blick in die Vergangenheit und gleichzeitig in die Zukunft des Atelierhauses. Der Kultursenator begrüßte den Ausbau des Hauses und betonte die Bedeutung des Arbeitsraumprogramms für das Land Berlin. Vertreter der BIM (Berlin Immobilien Management), der KRB und der Kulturverwaltung referierten über die Projektentwicklung im Rahmen des Arbeitsraumprogramms.
Die Atelierförderung im Arbeitsraumprogramm ist eines der wichtigsten Instrumente der Förderung Bildender Kunst in der Hauptstadt. Im Volumen macht die Förderung der Ateliers für die Bildende Kunst im Rahmen des Arbeitsraumprogramms 70 % der spartenspezifischen Förderungen überhaupt aus, die das Land Berlin an bildende Künstler*innen vergibt. Jahrzehnte wurde für dieses Programm gekämpft, es dient als Vorbild für andere Städte und auch international ist es als hervorragendes Förderinstrument für die Bildende Kunst anerkannt. Aktuell befinden sich nun 1.011 Ateliers in der Förderung.
Das Atelierbüro im kulturwerk des bbk berlin verantwortet die Durchführung des Vergabeverfahrens für die geförderten Ateliers durch den Atelierbeirat, betreut die Künstler*innen im Mietverhältnis, überprüft in regelmäßigen Abständen das Fortbestehen der Fördervoraussetzungen und analysiert die Bedarfe der Bildenden Künstler*innen. Außerdem berät es zu allen Fragen von Ateliernutzung und betreut den Bestand an Atelierwohnungen und Räumen in Kooperationen.