19.12.2025 | Pressemitteilung des bbk berlin: Ein Rückblick aus 2025 - Viel gekürzt und doch gewachsen
Für den bbk berlin und seine Tochtergesellschaften kulturwerk und bildungswerk war 2025 ein Jahr wie kein anderes. Wir ziehen Bilanz und blicken auf die Errungenschaften, Strukturen und Perspektiven.
2025 startete mit der Diskussionsreihe „Talking Back #MeToo?!“, organisiert von der Arbeitsgruppe CSA (Counter Sexism & Abuse) des bbk berlin und dem bildungswerk. In der soldiarischen Talkshow wurde nach Wegen gesucht, das Schweigen zu brechen, Solidarität zu stärken und sichere Räume zu schaffen. Ein weiteres Veranstaltungshighlight war das Panel „Stummgeschaltet | Muted. Wo steht die bildende Kunst mit ihrer Kunstfreiheit – zwischen Solidarität, Zensur und öffentlichem Druck?“, das erneut Akteur*innen aus Kunst, Theorie, Journalismus und Kulturpraxis zusammenbrachte.
Der Wunsch und Bedarf unter den Bildenden Künstler*innen ist groß: nach solidarischem Austausch, gegenseitiger Unterstützung und kollektiver Stärke ebenso wie nach sicheren Produktionsbedingungen, der Erweiterung der persönlichen Professionalität und fachlicher Expertise. Dafür setzen wir uns ein.
Wir blicken zurück auf das Jahr 2025. Auf den Verband und seine Tochtergesellschaften: bildungswerk und kulturwerk.
So konnte das bildungswerk des bbk berlin im Rahmen seiner ESF-finanzierten Seminare, dem landesgeförderten Workshopangebot des ‘Strategischen Herbst der Solidaritäten’ und dem mittlerweile vierten Digitalen Campus in 2025 insgesamt 161 Veranstaltungen durchführen, an denen 1.360 verschiedene Bildende Künstler*innen teilnahmen.
Die zweite Tochtergesellschaft stärkte seine Sichtbarkeit programmatisch nach außen:
Das Büro für Kunst im öffentlichen Raum (KiöR) betreute über 20 Wettbewerbe, veranstaltete die Dialogveranstaltung “Art to the People - Was Kunst im Stadtraum bringt!” und veröffentlichte die bereits 72. Ausgabe der Fachzeitschrift „Kunststadt.Stadtkunst“.
Die Medienwerkstatt lud zu einer neuen monatlichen Veranstaltungsreihe „Fixtures“ ein, die die Fachcommunity lokal miteinander verknüpfte, ebenso wie das international aufgestellte mehrtägige Screening „Polygon Picknick“ mit 34 audiovisuellen Beiträgen von Nutzer*innen der Medienwerkstatt, sowie die Fortsetzung von „Rumours of Noise“.
Das Atelierbüro im kulturwerk betreut derzeit rund 1.200 Ateliers und Atelierwohnungen. Mit 1.400 eingegangene Bewerbungen auf 47 ausgeschriebene Ateliers im Jahr 2025 ist der Andrang ungebrochen, was die Dringlichkeit der Suche nach einem bezahlbaren Atelier in der Berliner Künstler*innenschaft abbildet.
Wunderbare Feierlichkeiten in den Räumen der Druck- und Bildhauerwerkstatt
Auch gab es etwas zu feiern: Gemeinsam mit seinen Tochtergesellschaften konnte der bbk berlin sowohl das 50-jährige Bestehen der Druckwerkstatt im kulturwerk des bbk berlin als auch das 75-jährige Jubiläum des bbk berlin selbst feiern. Beides mit Gästen aus Politik, Verwaltung, vielen Akteur*innen, Verbandsmitgliedern und mit internationalen Kolleg*innen und Weggefährt*innen.
Dennoch ist Fakt: Auch für den Doppelhaushalt 26/27 wird nach den unverhältnismäßigen Kürzungen 2025 erneut stark in den Kulturetat eingeschnitten.
Ja, der politische Wille, Berlin zukunftsfest und sozial zu halten, wurde bei den Haushaltsentscheidungen 2026/27 betont. Ja, FABiK bleibt nun doch erhalten, was für alle Bildenden Künstler*innen, die in kommunalen Galerien ausstellen, seit fast zehn Jahren eine wichtige Errungenschaft (durch den bbk berlin) ist.
Birgit Cauer, Co-Sprecherin des bbk berlin: “Es ist ein wichtiges Signal für die Anerkennung künstlerischer Arbeit, dass die Politik ihre Zusage gegen den Entwurf des Senats, den Fonds abzuschaffen, revidiert hat. Gleichzeitig steht FABiK auf wackeligen Beinen: der Fonds für Ausstellungshonorare wird nicht - was nötig wäre - erhöht. Er wird noch nicht einmal in bisheriger Höhe fortgesetzt.”
Kunst braucht mehr und nicht weniger finanzielle Unterstützung, gerade mit Blick darauf, dass es viele Menschen trifft, die ohnehin unter prekären Bedingungen arbeiten.
Zusätzlich tickt die Uhr für die Produktionsbedingungen:
Die Atelierförderung wird im Rahmen des Arbeitsraumprogramms nicht weiter ausgebaut. Mietverträge für Atelierhäuser laufen aus, viele sind weiterhin ungesichert und zum Jahresende verlieren die ersten rund 50 Räume ihre Förderung. Zwar bleiben diese Häuser als Atelierhäuser bestehen, doch die Mieten steigen für Künstler*innen teils auf mehr als das Doppelte. Auch das Atelierhaus Prenzlauer Promenade mit rund 400 geplanten Räumen muss inzwischen als gescheitert gelten. Die vielbeschworene gesellschaftliche Relevanz der Kunst lässt sich nur durch Kunstfreiheit und den Erhalt von Ausstellungsflächen, Vergütungen und Arbeitsräumen sichern. Zwar gibt es Zusagen, den Atelierbestand ab 2026 zu erhalten, doch Mieterhöhungen, Vertragsänderungen und fehlende Verpflichtungsermächtigungen schüren Unsicherheit.
Frauke Boggasch, Co-Sprecherin des bbk berlin: „Im gestrigen Plenum wurde erneut zugesagt, den Atelierbestand zu sichern und die Strukturen des Arbeitsraumprogramms weiterzuentwickeln, mit besonderer Betonung der Expertise der Atelierbeauftragten. Wir erwarten und fordern eine deutliche Verbesserung der schlingernden und intransparenten Finanzierungs- und Verwaltungsprozesse, die trotz allem zu Jahresende Künstler*innen aus ihren Ateliers zwingen!“
Es bleibt viel zu tun – und das schaffen wir nur gemeinsam! Lasst uns das Jahr entspannt ausklingen, Zeit mit unseren Herzensmenschen genießen und mit frischer Energie ins Jahr 2026 starten. Danke für eure Solidarität und großartige Zusammenarbeit.
Bleibt gesund und zuversichtlich!
Frauke Boggasch und Birgit Cauer,
Sprecherinnen bbk berlin