27.04.2026 | Pressemitteilung des bbk berlin: Ein Atelierhaus (Wilsnacker Straße 62) vor dem Aus
Trotz des erneuten Wechsels an der Spitze der Kulturverwaltung dürfen die Grundfesten der Kulturförderung nicht unter die Räder geraten: Im Arbeitsraumprogramm befinden sich 10 Standorte der Atelierförderung in Gefahr. Dem ersten Atelierhaus droht sogar mit Stichtag 30. April die unmittelbare Aufgabe durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der bbk berlin schlägt Alarm!
Das Arbeitsraumprogramm – bewährt und bedroht
Die Atelierförderung bzw. das Arbeitsraumprogramm ist ein bewährtes Förderprogramm: Durch die Bereitstellung von Arbeitsorten für Kulturschaffende zu einem gedeckelten und bezahlbaren Festpreis stellt das Land die Infrastruktur für seine wichtigste Industrie bereit: Die Kultur.
In den Kürzungen der vergangenen beiden Haushaltsrunden wurden dem Programm empfindlich Gelder gestrichen. Für den Doppelhaushalt 2026/27 wurden die Titel, verglichen mit der Planung, sogar mehr als halbiert. Investitionen in landeseigene Immobilien sind nun gar nicht mehr möglich, weitere Anmietungen werden nicht mehr geplant.
Nichtsdestotrotz stand darüber ein Versprechen der Koalition: Die Ateliers und Arbeitsräume im Bestand bleiben erhalten. Dieses Versprechen wird aktuell gebrochen.
Für die Anmietungen steht ein Haushaltstitel von rund 20 Millionen Euro jährlich zur Verfügung. Nichtsdestotrotz wartet derzeit ein Atelierhaus mit einem niedrigen Förderbedarf auf die Förderzusage für die kommenden Jahre und soll sie, nach den Berechnungen der Senatsverwaltung für Kultur, nicht erhalten: Die Mittel reichen nicht aus.
Das Atelierhaus in der Wilsnacker Straße 62 besteht bereits seit 35 Jahren, gehört also zu den Urgesteinen im Programm mit einem kostenfreundlichen, da langjährigen Mietvertrag. 8 Künstler*innen arbeiten dort in 7 Ateliers unter dem Dach des Förderprogramms, darunter eine Person mit einer Schwerbehinderung. Ihnen allen droht der unmittelbare Verlust ihrer Arbeitsgrundlage.
Künstler*innen unter Dauerdruck
Die seit dem Herbst andauernden Debatten um den Fortbestand des gesamten Arbeitsraumprogramms behindern mehrere hundert Künstler*innen darin, ihren Beruf wirklich auszuüben. Die fehlende Sicherheit im Programm macht Projekt- und Ausstellungsplanungen unmöglich, die Sorgen überschatten die künstlerischen Arbeitsprozesse. „Der andauernde Druck auf die Künstler*innen in den geförderten Räumen führt die Förderung ad absurdum“, sagt Frauke Boggasch, Co-Sprecherin des bbk berlin. Und weiter: „Es darf nicht sein, dass einzelne Künstler*innen für die nicht vorhandenen Planungen im Arbeitsraumprogramm die Zeche zahlen.”
Ein Lied davon singen können die Künstler*innen in den Häusern, die bereits aus der Förderung herausgefallen sind und die sich mit Mieterhöhungen von bis zu 250 Prozent konfrontiert sehen, für die sie ebenfalls nicht aufkommen können.
Forderungen des bbk berlin
„Wir fordern endlich einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Ressource Arbeitsraum Programm", ergänzt Birgit Cauer, Co-Sprecherin des bbk berlin. Es bleibt unklar, wofür die bereitgestellten Gelder eingesetzt werden und warum notwendige Einsparungen immer auf die Künstler*innen und damit die Förderstruktur umgelegt werden.
Das Haus in der Wilsnacker Straße 62 muss erhalten bleiben, für die 9 weiteren gefährdeten Standorte muss umgehend ein tragfähiges Förderkonzept bereitgestellt werden! » Standortkarte aller Atelierhäuser im Arbeitsraumprogramm hier ansehen. Wir fordern die Koalition dringend auf, ihre Zusage zur Bestandssicherung einzuhalten!
Frauke Boggasch und Birgit Cauer,
Sprecherinnen bbk berlin