Briefaktion an den Finanzsenator: Atelierförderung sichern!
Künstler*innen Berlins wenden sich mit einem offenen Brief an den Finanzsenator und fordern die sofortige Entsperrung der Verpflichtungsermächtigungen im Kulturbereich.
Die aktuelle Sperrung blockiert die Verlängerung von Mietverträgen für Ateliers. Betroffen sind insbesondere Häuser mit privaten Vermieterinnen. Ohne Freigabe könnten bis Ende 2027 rund ein Drittel aller geförderten Arbeitsräume wegfallen. (Wir berichteten bereits mehrfach über die betroffene Atelierförderung und das seit über 30 Jahren erfolgreiche Arbeitsraumprogramm. Der Ausbau dringend benötigter Arbeitsräume für die Freie Szene steht aktuell still und bestehende Häuser sind akut gefährdet: 368 bbk-Ateliers befinden sich in den Gebäuden, deren Hauptmietverträge in den kommenden 2 Jahren auslaufen, die ersten enden bereits am 31.12.25.)
Im Brief schreibt Cornelia Sollfrank, eine der Sprecherinnen des Atelierhauses Kunstquartier Bethanien:
"Die derzeitige Sperrung von Verpflichtungsermächtigungen blockiert faktisch die Fortführung des Berliner Atelierprogramms. Damit steht ein zentraler Teil der kulturellen Infrastruktur dieser Stadt auf dem Spiel.
Was gerade passiert und warum es so kritisch ist:
Nach Angaben der Kulturverwaltung liegen 82% der Hauptmietverträge des Atelierprogramms bei privaten Vermieter*innen. Ohne Entsperrung der Verpflichtungsermächtigungen können diese Verträge nicht langfristig verlängert werden und sind dadurch akut gefährdet.
Das heißt konkret: Bis Ende 2027 würden rund 368 Ateliers wegfallen – etwa ein Drittel des gesamten Bestands.
Damit geht es nicht nur um die Existenz hunderter Künstler*innen, sondern auch um die Glaubwürdigkeit Berlins als Kultur- und Kreativstadt. Viele dieser Atelierhäuser – auch unseres – bestehen seit Jahrzehnten, werden von privaten Eigentümerinnen bewusst unterstützt und wären langfristig gesichert, wenn die öffentliche Seite ihre Verpflichtungen erfüllen dürfte.
Das eigentliche Problem liegt nicht im politischen Willen.
Es gibt Haushaltsmittel. Es gibt Strukturen. Es gibt funktionierende Verträge und verlässliche Partner*innen auf beiden Seiten. Doch die Kulturverwaltung kann derzeit nicht handeln, weil die Entsperrung der nötigen Verpflichtungsermächtigungen aussteht. So entsteht eine Lähmung, die selbst bei vorhandenen Mitteln den Fortbestand bestehender Förderstrukturen unmöglich macht.
Das Thema steht inzwischen im öffentlichen Fokus.
Zahlreiche Presseberichte und eine breit unterstützte Petition zeigen, dass viele Berliner*innen – weit über die Kunstszene hinaus – den Erhalt der Atelierförderung als zentrales Anliegen betrachten. Weitere Berichterstattung ist bereits angekündigt und unterstreicht, wie dringlich die Situation wahrgenommen wird.
Unsere Bitte an Sie:
1. Setzen Sie sich für die Entsperrung der Verpflichtungsermächtigungen im Kulturbereich
ein – insbesondere im Arbeitsraumprogramm für bildende Künstler*innen.
2. Ermöglichen Sie der Kulturverwaltung, bestehende Verträge zu verlängern und planbar zu arbeiten.
3. Sichern Sie die Substanz des Atelierprogramms – als Garant für bezahlbare Arbeitsräume,
künstlerische Vielfalt und kreative Produktion in Berlin.
Das Berliner Atelierprogramm ist international anerkannt und ein Erfolgsmodell städtischer Kulturförderung. Sein Verlust wäre ein politisches und kulturelles Signal mit weitreichenden Folgen – weit über Berlin hinaus.
Wir bitten Sie, Ihre haushaltspolitische Verantwortung wahrzunehmen und zu verhindern, dass funktionierende Strukturen aus rein administrativen Gründen zerstört werden."
Die Künstler*innen bieten einen direkten Austausch an.
Wir werden über weitere Entwicklungen informieren.