rbb und die tagesschau berichten über die geplante FabiK-Streichung: "Kommunale Galerien in Berlin können künftig kaum noch Honorare zahlen"
Künstlerinnen und Künstler sollten für ihre Arbeit bezahlt werden, so könnte man gemeinhin annehmen. Die Realität sieht für bildende Künstler*innen oft anders aus, denn es gibt keine oder nur sehr geringe Aufwandsentschädigungen.
Die Kommunalen Galerien in Berlin sind hingegen vor knapp zehn Jahren mit gutem Beispiel vorangegangen: Sie zahlen Künstlerinnen und Künstlern, die bei ihnen ausstellen, ein festes Honorar aus dem sogenannten Fonds für Ausstellungsvergütungen für Bildende Künstler*innen (FABiK), den die Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt extra dafür eingerichtet hatte.
"Großer Einschnitt in unsere Verdienstmöglichkeiten"
In diesem Fonds liegen 650.000 Euro pro Jahr für alle 37 Kommunalen Galerien der Stadt. Doch damit ist nun Schluss. Der Fonds wurde im Zuge der allgemeinen Sparmaßnahmen für das laufende Jahr eingefroren und soll ab 2026 gestrichen werden [berlin.de].
Ein harter Schlag für die Künstler:innen, sagt Birgit Cauer vom berufsverband bildender künstler*innen berlin (bbk berlin) dem rbb: "Der Wegfall der Honorare ist für uns ein großer Einschnitt in unsere Verdienstmöglichkeiten. Manche werden aus der Künstlersozialkasse rausfallen. Ich selbst musste in diesem Jahr auch schon ohne Honorar ausstellen", so Cauer.
Die Künstlersozialkasse (KSK) ist eine Organisation, die selbstständige Künstler:innen in der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung versichert – dafür müssen diese aber ein jährliches Mindestarbeitseinkommen vorweisen und der KSK angeben. Cauer kritisiert zudem, dass auch bei einem kleinen Honorar noch einiges an kostenloser Zusatzarbeit erwartet würde.
Doch es sind nicht nur die Kunstschaffenden selbst, die künftig auf Einnahmen verzichten müssen. Auch die Kommunalen Galerien und deren Publikum werden die Kürzungen deutlich spüren, wie Stéphane Bauer, Leiter des Kunstraums Bethanien in Kreuzberg und Sprecher des Arbeitskreises Kommunale Galerien Berlin, dem rbb sagt: "Wir werden die Anzahl der Ausstellungen und die Anzahl der Künstler, die wir beteiligen, reduzieren und auf viele Angebote der Vermittlung verzichten müssen." Aus dem eigenen Haushalt, so Bauer, ließe sich die verlorene Unterstützung des Fabik-Fonds nicht kompensieren.
Berlins Kommunale Galerien stärken Kieze und Nachbarschaft
Kostenloser Eintritt, kostenlose Vermittlungsangebote wie Gespräche mit Kunstschaffenden, Workshops und Führungen für Schulklassen machten die Kommunalen Galerien in Berlin zu wahren Schätzen im Kiez. Sie seien Treffpunkt für die Nachbarschaft, öffentliche Orte des Miteinanders, feste Institutionen im Bezirk, betont Bauer.
Das Publikum der Kommunalen Galerien unterscheide sich mitunter deutlich vom üblichen Galeriepublikum – so empfindet es die Künstlerin Alex Lebus: "Es ist nicht das Kunstpublikum. Es sind nicht die Sammler. Es ist nicht Teil der Art Week. Man öffnet die Türen für das normale Volk, es sind nicht die mit dem Prosecco." Zudem könnten Kommunale Galerien freier entscheiden, was sie zeigen möchten, und das übertrage sich auch auf die Künstler:innen, sagt Lebus: "Ich finde die Kommunalen Galerien sind was ganz Besonderes. Sie sind so ein bisschen 'Untergrund'." In etablierten Galerien würden Kunstschaffende darauf reduziert, "stets dasselbe abzuliefern", so Lebus. Das werde auch von den Sammlern erwartet. Kommunale Galerie nähmen hier den Druck raus, ermöglichten mehr Freiheit im Schaffen.
2.500 Euro für ein halbes Jahr künstlerische Arbeit
Um gute Kunst abzuliefern, brauche es eine solide und garantierte Förderung, betonen Galerieleiter und Künstlerin. Bislang konnte Stéphane Bauer vom Kunstraum Bethanien seinen Künstler:innen aus dem Fabik-Sonderfonds 2.500 Euro für eine Einzelausstellung und 400 bis 800 Euro pro Künstler:in in einer Gruppenausstellung zahlen. Diese Summen sind im Fonds fest geregelt und nicht verhandelbar. Für das Honorar müssen die Künstler:innen ihre Material- und Produktionskosten tragen und die Ausstellung selbst auf- und abbauen.
Für Alex Lebus klingt der Betrag "nach sehr viel, weil ich noch nie so viel Geld für eine Ausstellung bekommen habe." Wenn sie es aber mal durchrechne, könne sie nicht auf ihren Nebenjob verzichten. Die 400 Euro aus dem Fonds als Monatsgehalt reichten nicht, zumal sie auch ein halbes Jahr an der Ausstellung gearbeitet habe. "Alle Künstler, die ich kenne, haben einen Nebenjob. Und müssen dann noch um ihr Atelier bangen, das sie kaum besuchen können, weil sie ja einen Nebenjob haben", so Lebus. Zudem müsse man parallel weiter um Ausstellungen kämpfen und Konzepte schreiben. Eine sehr schwierige und prekäre Situation für Kunstschaffende.
Man öffnet die Türen für das normale Volk, es sind nicht die mit dem Prosecco.
Senatsverwaltung möchte Etat der Kommunalen Galerien erhöhen
Die Senatsverwaltung für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt betont, dass der Fabik-Fonds zwar zusammengestrichen worden sei, man aber den allgemeinen Etat für die Bezirksgalerien um 300.000 Euro erhöht habe. Mit diesem neuen, erhöhten Etat könnten die bezirkseigenen Galerien auch weiterhin Honorare zahlen. Allerdings ist diese Summe nicht wie beim Fabik-Fonds an die Honorare gebunden; die Bezirksgalerien können damit auch andere Ausgaben decken.
Stéphane Bauer wird dennoch versuchen, den Künstler:innen, die im Kunstraum Bethanien ausstellen, weiterhin Aufwandsentschädigungen zu zahlen. Er befürchtet andernfalls einen Qualitätsverlust für sein Haus: "Wenn ich den Künstler:innen weniger oder gar nichts mehr zahle, werden sie eher ältere Arbeiten zeigen und nicht mehr unbedingt etwas Neues für das Haus produzieren. Manche Künstler:innen werde ich vielleicht auch gar nicht mehr für das Bethanien gewinnen können."
Dass der Ausstellungshonorarfonds gestrichen worden sei, reihe sich in eine Entwicklung ein, sagt Birgit Cauer von der BBK, die sie in der Berliner Kulturförderung derzeit beobachte: "Es wird so oft gesagt, wie wichtig die Kunst für den Standort Berlin ist. Aber wenn man sieht, wo überall gekürzt wurde und wie prekär das Leben für Künstler:innen hier ist – das ist irgendwie zynisch." Der Berliner Kulturhaushalt sei so klein wie schon lange nicht mehr, so Cauer.
Klar ist: Von Kunst dauerhaft und auskömmlich zu leben, gelingt nur den wenigsten Kunstschaffenden. Die Streichung des Honorarfonds macht die Kunstszene in Berlin doppelt ärmer – sowohl die Künstler:innen als auch das Angebot der Kommunalen Galerien.
Von F. Czycykowski und C. Knoblauch
Sendung: rbb24 Inforadio, 19.09.2025, 16:55 Uhr