bbk berlin 

Was wir erreicht haben: Ausstellungshonorare, Stipendien, Infrastruktur für die künstlerische Arbeit

Berliner Modell: Ausstellungshonorare für Künstler*innen

Dieses Konzept ist einfach und funktioniert seit Januar 2016 so:

Der extra aufgelegte Fonds, der im Landeshaushalt fest verankert ist, wird ausschließlich für die Honorierung von professionellen bildenden Künstler*innen, und damit für die Bereitstellung ihrer künstlerischen Werke bzw. Performances in temporären Ausstellungsprojekten der Kommunalen Galerien Berlins bereitgestellt. Damit ist gesichert, dass die Honorare nicht auf Kosten der Ausstellungsplanung gehen. Entsprechende Werkverträge zur Zahlung von Produktions-, Katalog- oder Materialkosten, oder auch kuratorische Leistungen, Aufbauarbeiten oder Transportkosten müssen selbstverständlich wie vorher auch, zusätzlich abgeschlossen werden.

Die Kommunalen Galerien Berlins stellen zu Jahresbeginn Anträge bei der Senatsverwaltung für Kultur und Europa über den Bedarf ihren Mittel und entsprechend ihrer Ausstellungsplanung für das gesamte laufende Jahr. Seit Januar 2018 entspricht dies folgender Honorarstaffelung (die Honorare sind als Mindesthonorare zu verstehen):

  • Einzelausstellung (1-2 Künstler*innen): min. € 1.500 / Künstler*in
  • Kleingruppenausstellung (3-9 Künstler*innen): min. € 500 / Künstler*in
  • Gruppenausstellung (>10 Künstler*innen): min. € 250 / Künstler*in
  • Gruppenausstellung (>30 Künstler*innen): min. € 100 / Künstler*in

Der Ausstellungshonorarfond, der seit Januar 2016 in den Kommunalen Galerien Berlins gezahlt wird, wurde 2017 für den Doppelhaushalt 2018/19 von 300.000 auf 400.000 € erhöht und alle ausstellenden Künstler*innen werden unabhängig vom Wohnsitz profitieren. Bisher war dies nur für Künstler*innen möglich, die einen Wohnsitz in Berlin hatten. Die Mindesthonorare gelten für alle vom Land geförderten oder in kommunalen Galerien stadtfindenden Ausstellungen.

Der Ausstellungshonorarfond, der seit Januar 2016 in den Kommunalen Galerien Berlins gezahlt wird, wurde 2017 für den Doppelhaushalt 2018/19 von 300.000 auf 400.000 € erhöht und alle ausstellenden Künstler*innen werden unabhängig vom Wohnsitz profitieren. Bisher war dies nur für Künstler*innen möglich, die einen Wohnsitz in Berlin hatten. Die Mindesthonorare gelten für alle vom Land geförderten oder in kommunalen Galerien stadtfindenden Ausstellungen.

Die Kommunalen Galerien bewirtschaften die den bezirklichen Haushalten zufließenden Mittel im Wege der Auftragsverwaltung selbst. Sie sind zweckgebunden; die Bezirke können sie nicht für andere Zwecke als für die Zahlung von Ausstellungshonoraren verwenden.

Die Galerien schließen Verträge über das Ausstellungshonorar mit den Künstler*innen ab. Das Ausstellungshonorar wird brutto ausgezahlt. Etwaige Steuerpflichten sind von den Künstler*innen zu tragen. Das Ausstellungshonorar gilt bei der Künstlersozialkasse (KSK) als Einkommen aus künstlerischer Tätigkeit.

Aus Künstlersicht kann man mit diesen Honoraren nicht reich werden. Aber sie sind auch mehr als ein Symbol, nämlich ein Zeichen für die ausdrückliche Wertschätzung künstlerischer Arbeit durch die Vertreter der Öffentlichkeit.

Bedenkt man, wie prekär die wirtschaftliche Grundlage des Künstlerberufes meist ist, so können zusätzliche Einnahmen, von auch nur wenigen hundert Euro im Jahr, sehr wohl von großer Bedeutung für die einzelnen Künstler*innen sein.

Darüber hinaus sind Ausstellungshonorare jederzeit frei verhandelbar, dafür kann jedes Land und jede Kommune Regeln bestimmen, die sie selbst für angemessen und plausibel halten. Das Land Berlin hat diesen Handlungsspielraum nun genutzt und damit eine äußerst wichtige Botschaft an alle Bundesländer versendet.

Nachdem vor zehn Jahren die Initiativen im Deutschen Bundestag gescheitert waren, das Urheberrecht im Sinne der Bildenden Künstler*innen zu reformieren, hat der bbk berlin in Zusammenarbeit mit den Kommunalen Galerien auf die Realisierung dieses pragmatischen und einfachen Modells hingearbeitet.

Das "Berliner Modell" und eine Reform des Urheberrechtes im Sinne etwa der "Initiative Ausstellungsvergütung" schließen sich nicht aus, im Gegenteil, sie würden sich ergänzen: Das "Berliner Modell" bewirkt eine Selbstverpflichtung eines Landes oder einer Kommune. Gezahlt wird auf der Grundlage jeweils individueller Honorarverträge für die Nutzung von Werken, die sich im Eigentum der Künstler*innen selbst befinden, also dafür, dass diese ein ihnen gehörendes Werk dafür selbst verfügbar machen - und nur dafür.

Bei einer Reform des Urheberrechts ginge es jedoch um eine Erweiterung und Verbesserung des Ausstellungsrechts, so dass prinzipiell für jede Nutzung eines Werks der Bildenden Kunst in einer Ausstellung – unabhängig vom Eigentum an diesem Werk und unabhängig von Veranstalter der Ausstellung – eine Vergütung an die Urheberin / den Urheber des Werkes gezahlt werden müsste – bzw. an die Erben. Ein Rechtsanspruch endet erst 70 Jahre nach dem Tode eines Urhebers. Das geht in den meisten Fällen sinnvoll natürlich nur durch Einschaltung einer Verwertungsgesellschaft. Diese schüttet Einnahmen an ihre Mitglieder aus der Geltendmachung des Vergütungsanspruchs gegenüber den Verwertern bzw. ihren Verbänden nach zu beschließenden Verteilungsschlüsseln aus.

Rechtlich und praktisch sind "Berliner Modell" und Durchsetzung eines Ausstellungsvergabeanspruchs im Urheberecht sehr unterschiedliche Dinge. Das schon auch deshalb, weil das "Berliner Modell" dezentral von Bundesländern und Kommunen jederzeit praktiziert werden kann, während das Urheberrecht Bundessache ist. Man kann also das eine tun ohne das andere zu lassen. Künstlerische Arbeit hat immer ihren Wert. Dann aber muss sie auch ihren Preis haben.

bbk berlin, Mai 2017 (Red. aktualisiert im Juli 2020)

PDF: 2020 Empfehlung für Honoraruntergrenzen und Ausstellungshonorare - Senatsverwaltung für Kultur und Europa Berlin

PDF: 2018 Leitlinie der Senatskanzlei Kulturelle Angelegenheiten: Ausstellungsvergütung in Berlin

PDF: Mustervertrag zum Ausstellungshonorar (Bitte beachten: Die Kommunalen Galerien Berlins haben eigene Verträge)

Link: Vortrag und Diskussion in Wien_Ausstellungshonorare: Das Berliner Modell

PDF: Vortrag Heidi Sill in Wien am 15-11-18 Berliner Modell: Ausstellungshonorare

Link: verdi Stuttgart: Zwei Seiten einer Medaille Ausstellungshonorar | Ausstellungsvergütung

Mindesthonorare für die künstlerische Arbeit

Hilfreich bei der Lobbyarbeit des bbk berlin für die Ausstellungshonorare war die Forderung der Koalition der Freien Szene nach Mindesthonoraren für künstlerische Arbeit.

60 Recherchestipendien für bildende Künstler*innen und die Bildende Kunst

2015 hat der bbk berlin im 10-Punkte-Papier der Koalition der Freien Szene die Forderung nach 350 "Zeitstipendien" (Recherchestipendien) aufgestellt. Diese konnten im selben Jahr erstmals aus Mitteln der City-Tax, ab 2016 dann aus einem eigenen Fonds des Kulturhaushalts vergeben werden. Noch sind unsere Forderungen bezüglich der Anzahl nicht erfüllt. Deshalb fordert der bbk berlin für den Kulturhaushalt 2023/24 eine deutliche Erhöhung der Stipendienanzahl auf 500 für die in Berlin arbeitenden Künstler*innen jährlich bereit zu stellen.

"Die Stipendien sind für die künstlerische/kuratorische Entwicklung von professionell arbeitenden Künstler*innen, Kurator*innen und künstlerischen oder kuratorischen Gruppen im Bereich der visuellen Künste in Berlin bestimmt, die sich durch ihre Arbeit ausgewiesen haben.

Die künstlerische/kuratorische Entwicklung setzt insbesondere die Möglichkeit zur Erschließung neuer eigener Ideen und Ansätze voraus. Aus diesem Grund soll den Stipendiatinnen und Stipendiaten die Möglichkeit zur Durchführung selbstgewählter Recherchevorhaben gegeben werden, z.B.:

  • zur Recherche oder Vorarbeit an einem bestimmten Thema
  • zur Entwicklung von Projekten
  • zur Erschließung neuer/anderer Arbeitstechniken
  • zur Fortführung bzw. Vollendung bestimmter Arbeiten
  • zur Vermittlung, Dokumentation oder Publikation etc.

Kriterien für die Vergabe eines Stipendiums sind in erster Linie die Qualität bisheriger künstlerischer Arbeiten und die Qualität des Recherche- und Arbeitsvorhabens"

https://www.berlin.de/sen/kultur/foerderung/foerderprogramme/bildende-kunst/artikel.467404.php