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Kulturzug Panketal – ein einzigartiges Ateliergefüge in Gefahr?!

Pressemitteilung vom 14.07.2017:  A(b)BA - Allianz (bedrohter) Berliner Atelierhäuser 

Die Uferhallen sollen verkauft werden. Ein großer und etablierter Atelierstandort in zentraler Lage droht verloren zu gehen. Die ehemaligen BVG-Hallen sind einer von vielen Orten entlang der Panke, an dem Kunst, Kultur und Soziales ineinander greifen.

Gemeinsam mit den Atelierhäusern Gerichtshöfe, Wiesenburg, Gerichtsstraße 23, Wiesenstraße 29, der Bildhauerwerkstatt des bbk und ExRotaprint bilden die Uferhallen ein international bekanntes Ensemble. Wohnen und Arbeiten, soziale und kulturelle Infrastruktur sind hier eng verzahnt. Hier arbeiten über 500 Künstler*innen und Gewerbetreibende.

Diese Standorte bilden den Kulturzug Panketal, ein vernetztes Gefüge, das es zu schützen gilt!

Der ökonomische Druck auf diese Orte nimmt stetig zu. Florian Schöttle, ehemaliger Atelierbeauftragter, Immobilienexperte und Bürgervertreter im Stadtentwicklungsausschuss in Mitte, konstatiert, dass sich in den letzten drei Jahren der 1,5 Mio. qm große Leerstand an Gewerbeflächen im S-Bahn-Ring halbiert hat. Die Preise für diese Objekte haben sich in der gleichen Zeit verdreifacht. Neben der Wohnraumkrise manövriert sich Berlin zunehmend in eine Gewerbe-Standortkrise. Davon sind insbesondere Kleingewerbe sowie Kultur-, Sozial- und gemeinwohlorientierte Standorte betroffen. 

Eine zusätzliche Gefährdung entsteht durch zunehmende Umnutzung. In Pankow, so Schöttle, waren in den letzten 5 Jahren über 50% der erteilten Baugenehmigungen Umnutzungsgenehmigungen von Gewerbe- zu Wohnraum.

Diese für Berlin spezifische, städtebaulich einzigartige Qualität ist in höchster Gefahr und muß im Rahmen von Erhaltungssatzungen und Ausweisung von Millieuschutzgebieten gesichert werden!  

Auch wegen des exponentiell wachsenden Bedarfs an wohnortnah nutzbaren Arbeitsplätzen ist der Schutz dieser Infrastruktur unerlässlich, um Verkehrsströme im Innenstadtbereich zwischen Wohnort und Arbeitsstätte zu minimieren.

Wohnen, Gewerbe, Kunst, Kultur und Soziales, diese einzigartige Mischung als Berlins größte Ressource muss bewahrt und weiterentwickelt werden!

Forderungen:

  1. Der Kulturzug Panketal muss durch neue Bebauungspläne in seiner Mischung erhalten und nachhaltig geschützt werden.
  2. Ein Schutz durch Erhaltungssatzung und der Ausweisung von Milieuschutzgebieten ist zu prüfen.
  3. Insbesondere landeseigene Eigentümer (z. B. Wohnungsbaugesellschaften) sind gehalten, den baulichen wie nutzerischen Bestand zu erhalten und in seiner Diversität langfristig zu sichern. Hier sind Betreibermodelle zu wählen, die auch Selbstverwaltung zulassen.
  4. Installation eines Standortmanagements, das sich am Gemeinwohl orientiert und für den Kiez und seine Bewohner produktiv wird.

Orte am Kulturzug Panketal:

Wiesenburg.

  • ca. 30 Künstler*innen und Gewerbetreibende in Ateliers und Werkstätten
  • hinzukommend Gastkünstler*innen bei regelmäßigen, kulturellen Veranstaltungen
  • Infos unter www.diewiesenburg.berlin 

Gerichtshöfe.

  •  140 Gewerbetreibende und 70 Künstler*Innen
  •  Der Ort hat sich während der vergangenen 40 Jahre zu einer lebendigen Mischung aus handwerklichen Betrieben, Manufakturen und Ateliers entwickelt, in dem Lehrlinge aus dem Kiez ausgebildet werden und Praktikanten in Ateliers und Manufakturen erste Berufserfahrungen sammeln können.  Durch die Vielzahl der regelmäßigen Veranstaltungen der KünstlerInnen wie offene Ateliers und Führungen sind die Gerichtshöfe heute ein Ort, von dem ökonomisch, sozial und kulturell vermittelnde Impulse ausgehen. Sie sind ein Beispiel gelebter Integration und stärken den sozialen Zusammenhalt im Kiez. http://www.gerichtshoefe.de/ 

Uferhallen.

  • Die Uferhallen im Wedding sind eine einzigartige Ateliergemeinschaft. Mit seiner Größe, Struktur und Einbindung in die Stadt ist das Ateliergelände von 19.000 qm in Deutschland einmalig. Es besteht ein guter Austausch zwischen etablierten und weniger etablierten Künstler*innen. Produktionswerkstätten wie eine Rahmenwerkstatt sowie eine Firma für Art Engineering ergänzen die direkte Infrastruktur der Mieter. Ein Café bietet bei der Mittagspause neben Kulinarik den Raum für Austausch unter den Kollegen, wie auch unter denen des benachbarten Zentrums für zeitgenössischen Tanz, den Uferstudios. Auch diverse Konzertangebote – wie z.B. die des Pianosalon Christophori sind vielen Berlinern inzwischen ans Herz gewachsen. http://www.uferhallen.ag/

Nächste Veranstaltungen:

22.7-06.08.2017
    
Maria Marshall STILLE Ausstellung, Wiesenburg  
09.-10.09.2017

   Wiesenburgfestival mit Führungen, Musik, Akrobatiktheater, Podiumsdiskussion mit Politiker*innen u.a. zur Frage „Wie soll die Stadt der Zukunft aussehen“
17.09.2017, 15:00  











   

Start des CriticalMassMobil am ZK/U, Moabit : Karawane entlang bedrohter Orte von Kulturproduktion. Mit dieser Aktion der Allianz (bedrohter) Atelierhäuser (A(b)BA) in Zusammenarbeit mit dem ZK/U und dem Atelierbeauftragten machen Künstler*innen und solidarische Teilnehmer*innen auf die Raumnot kultureller Infrastruktur in Berlin aufmerksam. Vor dem Hintergrund laufender Eventisierung unserer Städte besteht der Konvoi ­­­­aus umgebauter populärer touristischer Infrastruktur: Rollende Radbars werden zum “Diskurs-Rad’, auf dem stadtpolitische Diskussionen geführt werden, mit lokaler Radioübertragung und gekaperten Infoscreens. Die Aktion ist Auftakt eines Workshopformats über alternative Träger- und Finanzierungsmodelle für selbstverwaltete und gemeinwohlorientierte Atelierhäuser und Kulturstandorte in Diskussion mit relevanten Akteuren aus Politik, Verwaltung, Stiftungen, Verbänden und Initiativen.

23.09.2017, 16-24:00
Lange Nacht in den Gerichtshöfen: mit offenen Ateliers,

24.09.2017, 11-16:00
Führungen durch Kunsthistoriker*innen, Ausstellung Gastkünstler*innen, Kunstaktionen in den Höfen

 

A(b)BA - Allianz (bedrohter) Berliner Atelierhäuser http://abbanetzwerk.tumblr.com

  

bbk berlin e.V.

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