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Mehr für Kunst und Kultur?

Pressemitteilung des bbk berlin zum Entwurf des Landeskulturhaushalts 2020/21

Der Entwurf für den Landeskulturhaushalt 2020/21, den die Berliner Abgeordneten im Herbst beschließen sollen,  liegt uns vor und wir stellen uns die Frage, ob er den Herausforderungen einer rasant wachsenden Stadt gerecht wird.

Die in Berlin tätigen und lebenden Künstler*innen bestimmen maßgeblich Berlins Identität und Attraktivität in der Welt. Mit ihrer Arbeit, Aktivität, mit Performances, Konzerten, Festivals und Ausstellungen bilden sie das Flair der Stadt und ziehen viele Touristen nach Berlin. Durch die seit 2014 erhobene City Tax fließt sehr viel Geld in die Haushaltskassen. Profitieren die Akteur*innen der Kultur und Kunst davon? Sieht der Entwurf des Landeskulturhaushalts eine ausreichende Unterstützung ihrer künstlerischen Arbeit vor?

Der Aufwuchs im Kulturhaushalt ist nur auf den ersten Blick beeindruckend. Auf den zweiten Blick sind es vor allem ausstehende Tarifanpassungen und Mietsteigerungen geförderter Institutionen, die diesen Aufwuchs ausmachen. Die Freie Szene profitiert nur geringfügig. Die Darstellenden Künste können mit einer deutlicheren Steigerung rechnen, dagegen gewinnen die anderen Sparten der Freien Szene kaum. Die Stadt Berlin lebt von gut ausgebildeten, innovativen und aktiven Künstler*innen, die durch extreme Mietsteigerungen und den stetigen Verlust von Freiräumen stark unter Druck geraten, sodass die meisten von ihnen in prekären Verhältnissen arbeiten und leben.
Das Parlament sollte nicht tatenlos zusehen. 

Vor vier Jahren hatte der bbk berlin jährlich 350 Zeitstipendien von je 8.000 Euro für die Bildenden Künstler*innen gefordert – kleines Geld mit großer Wirkung in Tiefe und Breite! Aktuell wird die Einzelförderung mit 47 (2019) Recherchestipendien (je 8.000 Euro) und 11 Arbeitsstipendien (je 18.000 Euro) nicht im Mindesten den 8.000 Bildenden Künstler*innen Berlins gerecht. Die Studie „Studio Berlin III“ des IFSE zur Lage der Bildenden Kunst 2018 zeichnete ein alarmierendes Bild zwischen künstlerischer Aktivität und Investition seitens der Akteur*innen und ihren prekären Einkommensverhältnissen. Die 1.745 an der Studie beteiligten Künstler*innen haben angegeben, innerhalb der letzten drei Jahre 3.200 Einzel- und 10.000 Gruppenausstellungen in Berlin und weltweit bestritten zu haben. Das ist eine beeindruckende Leistung, die von dieser Stadt, die als bedeutender Lebens- und Arbeitsmittelpunkt für die Künste weltweit gesehen wird, angemessen gefördert werden sollte. Der Haushaltsentwurf sieht keine Aufstockung der Künstler*innen-Einzelförderung vor.
Wir fordern: 2,4 Mio. Euro mehr für Arbeits- und Recherchestipendien jährlich.

Zunehmend erhalten Künstler*innen kurzfristige Kündigungen ihrer Arbeitsräume, die Suche nach Alternativen ist oft ergebnislos. Die wenigen Leuchtturmprojekte sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das Rockhaus ist gesichert, jedoch unter Bedingungen, die trotz finanzieller Hilfe der Senatskulturverwaltung, hart auf den Schultern der Musiker*innen zu liegen kommen. Nicht besser ergeht es den Bildenden Künstler*innen. Um die dringendst benötigten 700 Atelierräume für die Bildende Kunst im Atelieranmietprogramm anbieten zu können, müssen zusätzliche Mittel sofort in den Haushalt eingestellt werden. Aus dem Entwurf ist der Aufwuchs dem Programm nicht eindeutig zuzuordnen.
Wir fordern: 2 Mio. Euro jährlich für das Atelieranmietprogramm, damit der aktuelle Ateliernotstand in Berlin sofort behoben werden kann. 

Der bbk berlin stellt mit seiner Tochtergesellschaft der Kulturwerk des bbk berlin GmbH wichtige Werkstätten und Infrastruktur für die künstlerische Produktion in Berlin bereit. Ihre Reputation ist international. Eine Aufstockung der Personalmittel für das Kulturwerk ist jedoch erst ab 2021 geplant. Selbstverständlich begrüßen wir die Entscheidung, dass das Kulturwerk  ab 2021 zusätzliche Mittel erhalten wird, doch diese werden dringend sofort benötigt. Die Mitarbeiter*innen der Werkstätten und Büros im Kulturwerk arbeiten seit Jahren über die Grenzen ihrer Belastbarkeit – seit 20 Jahren mit annähernd unverändertem Personalschlüssel bei einer Künstlerschaft, die sich in der Zeit zahlenmäßig verdoppelt hat. Um den Künstler*innen die notwendigen, effektiven Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung stellen zu können, benötigt das Kulturwerk diese Mittel jetzt.
Wir fordern: die sofortige Aufstockung der Personalmittel für das Kulturwerk um 200.000 Euro.

Fazit: Bildende Künstler*innen fordern eine angemessene Förderung ihrer Leistungen in der Stadt Berlin. Jetzt. 

 

Zoë Claire Miller, Heidi Sill
Sprecherinnen des Vorstands des berufsverbands bildender künstler*innen – bbk berlin 

  

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