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Ursula Wolf ist gestorben

(1942-2010)

Aufwind, 1989, Stahlplastik - Marzahn-Ahrensfelde, KT-Stahl, Höhe 7 m

 

Die Bildhauerin Ursula Wolf ist tot. Johanna Ursula Wolf wurde 1942 in Dresden geboren. Sie studierte an der Fachschule für angewandte Kunst in Berlin-Schöneweide und von 1963-69 bei Heinrich Drake und Karl-Heinz Schamal. Ihr Diplom erwarb sie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Seit 1969 war sie freischaffende Bildhauerin. Von 1972-75 war sie als Konstrukteurin, 1979 als Schweißerin tätig. 1988 erstellte sie im Auftrag des Magistrats von Berlin eine Fußballskulptur, die bis heute in Beeskow darauf wartet in Bronze gegossen zu werden. Der Berliner Fußballverein Hertha BSC hatte zunächst Interesse daran bekundet, aber nach dem Rücktritt von Dieter Hoeneß von seinem Engagement abgesehen. Das Büro für Kunst im öffentlichen Raum ist mit dem Deutschen Fußballverband in Verhandlung, ob diese dynamische Skulptur im geplanten Nationalen Fußballmuseum in Dortmund aufgestellt werden kann. 2006 hatte Ursula Wolf ihre letzte Einzelausstellung in der Inselgalerie Berlin.

Ursula Wolf stellte lebensgroße und kleinere Büsten sowie abstrakte Skulpturen her. Eines ihrer wichtigsten Werke steht in Marzahn-Ahrensfelde, eine Stahlplastik die an die sowjetischen Konstruktivsten erinnert und die aufgrund ihrer Abstraktheit umstritten war, aber dennoch 1989 vor einer Jugendfreizeitstätte realisiert werden konnte. Die Künstlerin war bis zu ihrem Tode aktiv, auch wenn sie seit 1995 keine Aufträge mehr erhalten hatte bzw. zu keinem Wettbewerb eingeladen war. 2010 sollte sie mit neun anderen Künstlern an einem eingeladenen Wettbewerb in Charlottenburg-Wilmersdorf teilnehmen.

Ursula Wolf war in den Jahren nach der Wende bettelarm, sie bezog eine so kleine Rente, dass sie mit Sozialhilfe aufgestockt werden musste. Ihre Wohnung in der Behmstraße war spartanisch eingerichtet, ermöglichte ihr aber künstlerisch weiter aktiv zu sein. Die Bildhauerin war eine freundliche, sehr unprätentiöse und fast spitzbübische Zeitgenossin, die sich eine erstaunliche Jugendlichkeit bewahrt hatte, was vielleicht an ihrem ausgeprägten Sinn für Humor lag. Ursula Wolf ist nie im Kapitalismus angekommen. Coaching und Vermarktungsstrategien sind für sie ein Buch mit sieben Siegeln geblieben. Sie vertraute allein auf ihr solides künstlerisches Handwerk, das in diesen Zeiten kaum ausreicht. Dass Vermittlung heute die halbe Miete bedeutet, wollte Ursula nicht wahrhaben. Sie wurde am 7. Oktober tot in ihrer Wohnung aufgefunden, der medizinische Befund sagt, dass sie wahrscheinlich am 24. September verstorben war. Ursula Wolf starb an den Folgen einer schweren Krankheit, aber auch daran, dass sie es nach 1995 nicht mehr geschafft hatte, an gesellschaftlichen künstlerischen Prozessen teilzuhaben. Zu der Traurigkeit über ihren Tod gesellt sich die Einsicht, dass Ursula Wolf nicht die einzige Künstlerin war, die unter diesen Umständen zu leben hat.

Ihre Arbeiten werden dank einer engagierten Rechtsanwältin im Auktionshaus Beier in Tempelhof versteigert.

Elfriede Müller

  

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